Familien in Alarmbereitschaft: Das Ende der kostenlosen Krankenversicherung steht bevor
Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland steht vor einer grundlegenden Reform, die vor allem Familien stark betreffen könnte. Das Ende der kostenlosen Familienversicherung ist in Sicht, und das macht vielen Sorgen. Gerade in Zeiten, in denen die Lebenshaltungskosten steigen, kann das eine echte Mehrbelastung darstellen.
Der jüngste Entwurf zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz sieht vor, dass die kostenfreie Mitversicherung für Ehepartner ohne oder mit geringem Einkommen in vielen Fällen entfällt. Wie das konkret aussieht? Die hauptverdienende Person müsste dann einen Zuschlag von 2,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens zahlen, um den Partner zu versichern. Bei einem monatlichen Einkommen von 3.000 Euro sind das beispielsweise 75 Euro – und das summiert sich schnell! Für Paare mit höherem Einkommen wird es noch teurer. Bei 6.000 Euro brutto wären es 150 Euro monatlich. Das ist kein Pappenstiel, vor allem wenn man bedenkt, dass viele Familien gerade versuchen, über die Runden zu kommen.
Beamte und die neue Regelung
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat bereits gefordert, dass diese Einschnitte auch für Beamte gelten sollen. Schließlich ist es wichtig, dass alle in der GKV von denselben Regeln betroffen sind, um Ungleichheiten zu vermeiden. Das ist ein Schritt, der durchaus sinnvoll erscheint, wenn man darüber nachdenkt, dass Beamte in der Regel privat versichert sind und von ihrer Dienststelle eine Beihilfe erhalten, die einen Teil der Krankheitskosten abdeckt. Für Familienangehörige ohne oder mit geringem Einkommen zahlen Bund und Länder Beihilfe, was für viele eine wichtige Unterstützung darstellt.
Die Ausnahmen von der neuen Regelung sind allerdings nicht zu vernachlässigen: Wenn mindestens ein Kind unter sieben Jahren im Haushalt lebt oder ein pflegebedürftiges Kind mit Behinderung, bleibt die kostenlose Mitversicherung bestehen. Auch wenn der Mitversicherte selbst pflegt oder Rentner ist, gibt es weiterhin eine kostenlose Mitversicherung. Das sind Lichtblicke in einem ansonsten recht trüben Bild.
Die Situation der gesetzlichen Krankenkassen
Der Gesundheits-Sparpaket hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Familienversicherung. Ganze 75 Millionen Bundesbürger sind gesetzlich krankenversichert, und viele von ihnen werden die Folgen der Reform spüren. Die Krankenkassen kämpfen trotz erhöhter Beiträge in den letzten Jahren mit finanziellen Problemen. Die Ausgaben stiegen von 249 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 312 Milliarden Euro. Experten rechnen mit einem Defizit von 15 Milliarden Euro für das kommende Jahr und über 40 Milliarden Euro bis 2030. Das klingt fast nach einem Teufelskreis, oder?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken plant, eine „einnahmenorientierte Ausgabenpolitik“ zu verfolgen, um die Finanzen der Kassen zu stabilisieren. 66 Vorschläge zur Stabilisierung wurden präsentiert, mit dem Ziel, 16,3 Milliarden Euro im kommenden Jahr und 38 Milliarden Euro bis 2030 einzusparen. Und das wird natürlich auch Auswirkungen auf die Versicherten haben: Die beitragsfreie Mitversicherung für Ehe- oder Lebenspartner wird ab 2028 beendet, und es werden weitere Einsparungen bei Kassenleistungen vorgenommen. Zum Beispiel wird der Zuschuss für Zahnersatz von 60 % auf 50 % gesenkt.
Die Diskussion über die Gesundheitsreform ist komplex und könnte noch einige Überraschungen bereithalten. Der Gesetzesentwurf geht jetzt ins parlamentarische Verfahren, und Änderungen sind durchaus möglich. Eines ist allerdings klar: Die meisten werden sich an die neuen Regelungen anpassen müssen – und das wird nicht für jeden einfach sein.
