Digitale Jagd: Wie Keyless-Systeme zur Beute für Diebe werden
Die Sonne brannte an diesem Tag in Venedig, während Otto Schwab (67) mit seinem Hund Gassi ging. Ein ganz gewöhnlicher Spaziergang, denkt man sich, nichts Ungewöhnliches. Doch als er nach zwanzig Minuten zurückkehrte, war sein BMW nicht mehr so, wie er ihn verlassen hatte. Gestohlen wurden Tablet, Fotoapparat und die Musikanlage – die normalen Verdächtigen in einem Autodiebstahl. Aber das Besondere? Tür und Scheibe blieben unversehrt. Schwab war sich sicher, dass es sich um einen elektronischen Diebstahl handelte.
In der Nähe parkte ein Volvo mit zwei Männern, was in dem sonst leeren Parkplatz doch etwas merkwürdig war. Die Gedanken schwirrten in Schwabs Kopf: Wie konnte so etwas passieren? Der ADAC hatte vor kurzem 800 Fahrzeuge mit Keyless-Systemen getestet und festgestellt, dass sage und schreibe 85% der Modelle geknackt werden konnten. Das klingt alarmierend, oder? Die Sicherheitslücke besteht selbst dann, wenn der Schlüssel im Haus liegt – das ist eine unheimliche Vorstellung!
Die Schattenseiten der Keyless-Systeme
Einmal mehr zeigte sich, wie anfällig die modernen Technologien sind. Nur Fahrzeuge mit Ultra-Wide-Band-Technik (UWB) sind tatsächlich sicher, aber viele Autos, auch von BMW, sind nicht mit dieser Technologie ausgestattet. Das ist ärgerlich, besonders wenn man bedenkt, dass BMW eine spezielle Einheit hat, die Systeme hackt, um sich gegen digitale Angriffe zu wappnen. Schwab erstattete Anzeige, aber die Polizei konnte dem Fall nicht nachgehen, da die Kapazitäten fehlten. Die Tracking-Funktion seines iPads zeigte, dass die gestohlenen Gegenstände an einem Hafen gelandet waren – ein weiteres Puzzlestück in einem unerfreulichen Bild.
Und dann kam die Versicherung ins Spiel. Schwabs Hausratversicherung verweigerte zunächst die Zahlung, weil es keine Einbruchsspuren gab. Nach dem Auslesen des Fehlerspeichers seines BMWs, was ihm bestätigte, dass das Auto korrekt abgeschlossen war, lenkte die Versicherung schließlich ein. Doch die Rückzahlung von drei Prozent der Versicherungssumme – also etwa 4200 Euro – ist im Vergleich zum Neuwert der gestohlenen Sachen von 11.000 Euro ein verschwindend geringer Trost. Man fragt sich, ob das in einer modernen Gesellschaft wirklich fair ist.
Die einfache Technik der Diebe
Schwab ist nicht allein mit seinen Sorgen. In der heutigen Zeit sind Kenntnisse über das Hacken oder Entschlüsseln nicht mehr nötig, um in ein „Keyless-Go“-Fahrzeug zu gelangen. Ein einfach zu beschaffender Reichweitenverlängerer reicht aus, um die Funksignale über mehrere hundert Meter zu verlängern. Man braucht nur ein Gerät in der Nähe des Schlüssels und ein weiteres in der Nähe der Autotür. Das funktioniert sogar, wenn der Schlüssel im Haus liegt oder der Besitzer weit entfernt ist. Es ist erschreckend, wie einfach das ist!
Diese Reichweitenverlängerer sind für rund 100 Euro in Elektronikläden erhältlich und können sogar selbst gebaut werden. Und das Auto? Das bleibt in Betrieb, solange der Tank nicht leer ist. Währenddessen kann man es sogar betanken, ohne dass es einen Verdacht erregt. Das lässt einen schon nachdenklich werden. Ein Auto kann ohne Einbruchsspuren zurückgelassen werden, was den Verdacht auf Versicherungsbetrug erwecken könnte. Hier sind also auch die Versicherungen gefordert, einen neuen Blick auf die Dinge zu werfen.
Wie man sich schützt
Aber wie kann man sich schützen? Einige Tipps scheinen recht einfach: Überprüfen, ob das Keyless-System deaktivierbar ist, das Fahrzeug in einer verschlossenen Garage parken oder den Funkschlüssel nicht in der Nähe von Außentüren lagern. Auch das Abgeschirmte Aufbewahren der Schlüssel in einer Metalldose oder Alufolie ist eine Option, um das Funkzeichen zu blockieren. Es gibt sogar Nachrüstlösungen mit elektronischen Schutzschaltungen, die helfen, den Stromkreis zu unterbrechen. Aber Vorsicht – auch diese Lösungen sind nicht unanfällig für Manipulationen.
In einer Welt, in der Sicherheit immer wichtiger wird, bleibt Schwab mit einem Gefühl der Unsicherheit und der Enttäuschung zurück. Künftig will er vorsichtiger sein, besonders wenn ein anderes Auto verdächtig nah parkt. Die Frage bleibt: Wie viel Vertrauen kann man in die moderne Technik noch setzen?
