Das Rätsel um Karl-Erivan Haub: Ein verschwundenes Leben und dunkle Geheimnisse
Ein schockierendes Kapitel im Fall des Tengelmann-Milliardärs Karl-Erivan Haub nimmt eine unerwartete Wendung. Der Unternehmer verschwand im April 2018 während einer Skitour in der malerischen Kulisse von Zermatt, Schweiz. Seine Familie gab sich schnell der düsteren Gewissheit hin, dass es sich um einen tragischen Unfall am Klein Matterhorn handeln könnte. Und während die Suche nach dem 58-Jährigen erfolglos blieb, wurde er 2021 schließlich offiziell für tot erklärt.
Doch die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft Köln hat nun Anklage gegen seinen Bruder Christian Haub erhoben, der als aktueller Chef von Tengelmann gilt. Der Vorwurf? 2021 soll Christian im Rahmen des Verschollenheitsverfahrens eine falsche Versicherung an Eides statt abgegeben haben. Er hatte versichert, keine Hinweise auf das Überleben seines Bruders zu besitzen. Dies wird nun hinterfragt, nachdem Überwachungskameraaufnahmen aufgetaucht sind, die Karl-Erivan Haub drei Jahre nach seinem Verschwinden in Moskau zeigen sollen. Die Echtheit dieser Bilder bleibt jedoch unklar. Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht, dass Christian Haub möglicherweise Informationen zurückgehalten hat.
Ein Schatten über Tengelmann
Christian Haubs Verteidiger, Mark Binz, bezeichnet die Vorwürfe als unbegründet und ist zuversichtlich, dass die Anklage nicht zugelassen wird. Ein Behördengutachten besagt zudem, dass die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung mit dem Gesicht des Verschollenen nur bei 50 Prozent liegt. Dennoch werfen diese Entwicklungen einen Schatten auf die Geschäfte von Tengelmann, zu dem auch bekannte Marken wie Obi und Kik gehören. Christian übernahm die Geschäftsführung nach dem Verschwinden seines Bruders, und die Frage nach dem Verbleib von Karl-Erivan bleibt im Raum stehen, während sich die Justiz mit den Vorwürfen beschäftigt.
Die Anklage wurde am 13. April erhoben, und das Landgericht Köln wird bald darüber entscheiden, ob sie zugelassen wird. Es ist eine belastende Situation, die sowohl die Familie als auch das Unternehmen in eine schwierige Lage bringt. Man fragt sich: Wie geht es weiter?
Das große Geheimnis des Verschwindens
Wenn wir über Vermisste sprechen, ist der Fall von Karl-Erivan Haub nur die Spitze des Eisbergs. Aktuell sind in Deutschland 9.832 Personen als vermisst registriert. Im Jahr 2022 wurden über 104.000 Menschen als verschwunden gemeldet – das sind täglich 200 bis 300 Meldungen! Erstaunlicherweise klären sich etwa 50 Prozent der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche, und mehr als 80 Prozent innerhalb eines Monats. Nur etwa 3 Prozent bleiben länger als ein Jahr ungelöst. Das klingt fast beruhigend, oder? Aber was ist mit den Schicksalen derjenigen, die nicht so schnell aufgefunden werden?
Die Mehrheit der Vermisstenfälle wird zwar schnell geklärt, doch das Schicksal der länger vermissten Personen bleibt oft im Dunkeln. Besonders tragisch ist die Situation von Kindern und Jugendlichen, die aus den verschiedensten Gründen verschwinden. Familiäre Probleme, Schulstress oder persönliche Krisen sind häufige Auslöser. Ein erheblicher Teil dieser Minderjährigen sind unbegleitete Flüchtlinge, deren Zahl seit der Flüchtlingskrise 2016 gestiegen ist. Sie können aufgrund fehlender Dokumente mehrfach erfasst werden, was die Statistik zusätzlich verwischt.
Die Polizei leitet eine Vermisstenfahndung nur ein, wenn eine Gefahr für Leib und Leben vermutet wird. Ein erschreckender Gedanke, wenn man bedenkt, dass es viele Menschen gibt, die niemand vermisst. Oft sind es sozial isolierte Personen, insbesondere ältere Menschen. Was passiert mit ihnen? Fragen über Fragen, die in einem Land wie Deutschland, wo Sicherheit großgeschrieben wird, umso mehr nach Antworten verlangen.
