Streit um Glasfaser: Kunden zwischen Anbieterwechsel und Unsicherheit
Aktuell sorgt ein Streit zwischen dem Netzbetreiber Open Infra und dem Diensteanbieter Filiago GmbH & Co. KG für Aufregung im Landkreis Harburg. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat klare Forderungen nach rechtssicheren Lösungen und fairem Wettbewerb erhoben. Die Sorge ist groß, dass Konflikte zwischen den beiden Unternehmen auf Kosten der Kunden ausgetragen werden, was zu Verunsicherungen führen könnte.
Open Infra hat die Zusammenarbeit mit Premium-Netz vor Ostern angekündigt zu beenden und die Kunden aufgefordert, sich nach neuen Anbietern umzusehen. Dabei wurde sogar die mögliche Abschaltung der Anschlüsse in Aussicht gestellt. Premium-Netz hingegen widerspricht diesen Aussagen und betont, dass alle bestehenden Verträge weiterlaufen, solange sie nicht wirksam beendet wurden. Jana von Bibra, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, hebt hervor, dass die widersprüchlichen Informationen die Kunden nur verunsichern können.
Kunden im Fokus: Rechte und Pflichten
Die Verbraucherzentrale sieht die drohenden Abschaltungen kritisch, da diese rechtlich nur in engen Grenzen zulässig sind, beispielsweise bei Zahlungsverzug. Pauschale Drohungen, die Kunden unter Druck setzen, sind nicht akzeptabel. Dies unterstreicht ein strukturelles Problem: Der fehlende Wettbewerb auf Glasfasernetzen in vielen Regionen könnte langfristig zu Abhängigkeiten führen, die es zu vermeiden gilt. Die Verbraucherzentrale ruft daher zu einem fairen Wettbewerb auf und ermutigt betroffene Kunden, sich bei Fragen an die Verbraucherzentrale Niedersachsen zu wenden – sei es vor Ort, telefonisch oder per Video.
Open Infra hingegen betont, dass die Glasfaseranschlüsse weiterhin funktionsfähig bleiben. Eine Übergangslösung mit der IN InternetNord GmbH sei bereits sichergestellt, um eine unterbrechungsfreie Internetversorgung zu garantieren. Die Kunden müssen derzeit nichts unternehmen, da während der Übergangsphase keine zusätzlichen Kosten anfallen. Alle betroffenen Kunden wurden bereits schriftlich informiert und erhielten eine Übersicht über die verfügbaren Diensteanbieter.
Zukunftsausblick: Anbieterwechsel und offene Netze
Bis zum 10. Mai 2026 müssen die Kunden einen neuen Diensteanbieter im Open-Infra-Netz wählen. Open Infra betreibt ein offenes Netz (Open Access), was bedeutet, dass mehrere Anbieter die Infrastruktur nutzen können. Dies ermöglicht den Kunden, jederzeit ihren Anbieter zu wechseln, ohne dass physische Änderungen an der Infrastruktur notwendig sind. Die Investitionen in die Glasfaserinfrastruktur sind dauerhaft und nicht an einzelne Anbieter gebunden, was die Stabilität des Netzes unterstreicht.
Open Infra hat sich zudem verpflichtet, das Netz weiterhin zu betreiben, zu warten und auszubauen, und bietet Kommunalverantwortlichen Gespräche an, um die Situation zu klären und zusammenzuarbeiten. Die Bundesnetzagentur wurde vorab über die Situation informiert, um Transparenz zu gewährleisten. Kunden können sich bei Fragen an den Kundendienst unter 0800 0010160 (kostenfrei) oder per E-Mail an info-de@openinfra.com wenden.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird und ob die geforderten fairen Lösungen tatsächlich umgesetzt werden können. Die Verbraucherzentrale wird die weitere Entwicklung genau beobachten.
