Die Zeiten, in denen Streaming-Plattformen wie Amazon Prime Video, Netflix oder Disney+ ganz ohne Werbung daher kamen, scheinen vorbei zu sein. Immer mehr Nutzerinnen müssen sich mit Werbeunterbrechungen abfinden, was vor ein paar Jahren noch ein absolutes No-Go war. Amazon Prime Video hat seit dem 5. Februar 2024 Werbung in seinen Basis-Abonnements eingeführt – und das hat für ordentlich Zündstoff gesorgt. Wer nicht in den Genuss eines werbefreien Streamings kommen möchte, muss jetzt tief in die Tasche greifen: Ein Zusatz-Abo für 2,99 Euro pro Monat ist nötig, um die Werbeflut zu umgehen.

Am 19. Mai 2026 startete in München eine bedeutende mündliche Verhandlung vor dem Bayerischen Obersten Landesgericht gegen Amazon, die als die größte Klage ihrer Art zwischen einem US-Unternehmen und Deutschland gilt. Die Verbraucherzentrale Sachsen hat die Klage ins Leben gerufen, da sie der Meinung ist, dass die Einführung der Werbung ohne Zustimmung der betroffenen Kundinnen erfolgt ist. Rund 17 Millionen Prime-Nutzerinnen in Deutschland sind betroffen, und die Klage zielt darauf ab, dass sie einen Teil ihrer Gebühren zurückerhalten.

Die Hintergründe der Klage

Zusätzlich zu den Werbeeinblendungen gibt es noch weitere Streitpunkte. Die Verbraucherzentrale NRW hat eine Sammelklage aufgrund der Preiserhöhung des Amazon-Prime-Abonnements im Sommer 2022 eingereicht. Das alles ist nicht nur ein Schreckgespenst für die Nutzerinnen, sondern auch ein deutliches Signal an die Streaming-Anbieter. Wer sich vor dem 5. Februar 2024 für ein Prime-Abo entschieden hat und dessen Mitgliedschaft bis zum 6. Februar 2024 aktiv war, kann sich an der Sammelklage beteiligen. Selbst frühere Prime-Kundinnen haben die Möglichkeit, mitzumachen, sofern sie ihr Abo nach dem Stichtag gekündigt haben.

Wer für die Werbefreiheit zusätzlich gezahlt hat, könnte seine Gebühren zurückerhalten. Bei denjenigen, die nicht extra für die Werbefreiheit bezahlt haben, wird eine Entschädigung in Höhe des Werbeaufschlags angestrebt – das könnten bis zu 80 Euro pro Mitgliedschaft ausmachen. Ehrlich gesagt, das klingt schon nach einer ordentlichen Summe! Die Anmeldung zur Klage ist bis zum 9. Juni 2026 kostenlos über das Formular des Bundesamtes für Justiz möglich.

Ein Trend, der nicht aufzuhalten ist

Aber warum ist das Ganze so ein großes Thema? Die Antwort liegt auf der Hand: Streaming-Anbieter suchen nach neuen Einnahmequellen. Die Produktionskosten steigen und die Abonnentenzahlen stagnieren. Netflix hat etwa ein Abo mit Werbung für 4,99 Euro eingeführt, während das Standard-Abo ohne Werbung satte 13,99 Euro kostet. Disney+ verfolgt einen ähnlichen Weg mit einem werbefinanzierten Abo für 5,99 Euro. Amazon bietet sein Basis-Abo mit Werbung für 8,99 Euro an – wer die Werbung loswerden will, zahlt insgesamt 11,98 Euro. Werbefinanzierte Tarife sind eine Möglichkeit, günstigere Zugänge zu Inhalten zu gewähren, doch viele Nutzer empfinden sie als störend.

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Komischerweise hat Amazon auch angekündigt, dass sie 2025 mehr und längere Werbe-Blöcke in ihre Inhalte integrieren wollen. Hier stellt sich die Frage, ob das wirklich der richtige Weg ist. Die Werbeplätze sind oft nicht ausgebucht und zeigen häufig eigene Inhalte von Amazon. Und während einige Experten warnen, dass die zunehmende Werbung die Nutzer zu werbefreien Alternativen treiben könnte, bleibt die Frage, wie sich das auf die Kundenbindung auswirken wird.

In der aktuellen Diskussion um die Klage und die neuen Werbepraktiken von Amazon merkt man deutlich, dass die Zeiten des unbegrenzten und völlig werbefreien Streamings wohl vorbei sind. Die Streaming-Landschaft verändert sich, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Nutzerinnen entscheiden werden. Die kommenden Monate könnten entscheidend sein – sowohl für die Streaming-Anbieter als auch für die Konsumenten.