Schokolade im Preiskampf: Warum Eigenmarken die großen Marken überholen
Die Schokoladenpreise sind zum Teil auf Rekordniveau gestiegen, und das lässt die Verbraucher natürlich aufhorchen. Seit den letzten zwei Jahren hat sich nicht nur der Preis für die süßen Genussmittel verändert, sondern auch deren Füllmenge. Ein klarer Trend ist zu beobachten: Immer mehr Leute greifen zu Eigenmarken, während die großen Marken wie Milka und Ritter Sport an Beliebtheit verlieren. Das ist schon komisch, oder? Die Supermärkte haben das anscheinend registriert und passen ihr Sortiment entsprechend an. Die Eigenmarken, die von Discountern wie Aldi und Lidl angeboten werden, überholen die bekannten Marken im Kaufverhalten. Das hat auch zur Folge, dass die Handelsketten nun verstärkt ihre Eigenmarken erweitern – und zum Teil die Preise senken.
Ein Beispiel ist Lidl, das die Preise für die Eigenmarke Fin Carré um bis zu 23 Prozent gesenkt hat. Auch Aldi hat nachgezogen und die Preise für Choceur und Moser Roth reduziert. Diese Maßnahmen zeigen deutlich, dass die Kunden auf der Suche nach günstigeren Alternativen sind. Dabei könnte man denken, dass die gesunkenen Rohkakaopreise von über 10.000 Euro pro Tonne im Frühjahr 2024 auf unter 4.000 Dollar im Februar 2026 auch einen Einfluss auf die Markenschokoladenpreise haben sollten. Aber die Realität sieht anders aus. Trotz der fallenden Rohstoffpreise sind die Preise für Schokolade im Dezember 2025 im Schnitt 69 Prozent höher als im Jahr 2020!
Produktveränderungen und Verbraucherfrustration
Ein besonders strittiges Thema ist die sogenannte „Shrinkflation“. Ritter Sport hat seit Mai 2026 die Größe von drei Sorten der „Edelkakao-Klasse“ von 100 Gramm auf 75 Gramm reduziert, der Preis bleibt jedoch bei 2,29 Euro. Das bedeutet, dass sich der Preis pro Kilogramm um etwa 33 Prozent erhöht hat. Die Begründung von Ritter Sport, dass die Kunden schlankere Tafeln wünschen, sorgt bei den Verbrauchern für Kopfschütteln. Viele empfinden das eher als Täuschung.
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat bereits die Milka-Alpenmilch-Tafel unter die Lupe genommen, die 2025 von 100 auf 90 Gramm reduziert wurde, während der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro stieg. Ein Gericht in Bremen entschied, dass Mondelez die reduzierte Füllmenge nicht ausreichend kenntlich gemacht hat – ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Doch in der Praxis hat dieses Urteil keine weitreichenden Folgen gehabt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sieht die bestehenden Rechtsrahmen als ausreichend an, verweist aber auf potenzielle Einzelfallentscheidungen.
Ein Aufruf zur Transparenz
Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert eine Kennzeichnungspflicht für reduzierte Inhalte und höhere Preise auf der Verpackungsvorderseite. Politische Diskussionen über „Shrinkflation“ nehmen zu, und auch im aktuellen Koalitionsvertrag wird mehr Transparenz gefordert. Man könnte meinen, dass bei den aktuellen Entwicklungen und dem Druck seitens der Verbraucher etwas Bewegung in die Sache kommt. Aber ob das tatsächlich der Fall sein wird? Die Ernten in der Elfenbeinküste, Ghana und Ecuador waren jedenfalls besser als im Vorjahr, was zu einem globalen Überschuss von Kakaobohnen führt. Dennoch spüren die Verbraucher von den gesunkenen Rohkakaopreisen nicht viel.
Am Ende bleibt die Frage: Wie lange wird die Schokolade für die Kunden noch ein teures Vergnügen bleiben, während die Eigenmarken als günstigere Alternativen auftrumpfen? Die Welt der Schokolade ist jedenfalls alles andere als süß – zumindest wenn man den Preis betrachtet.
