Preisspirale an der Zapfsäule: Wie die 12-Uhr-Regel Verbraucher unter Druck setzt
Die Spritpreise in Deutschland steigen und steigen, und das sorgt für Unruhe an den Tankstellen. Am 26. April 2026 lag der Preis für Super E10 im bundesweiten Durchschnitt bereits bei über 2,09 Euro pro Liter, während Dieselpreise die Marke von 2,20 Euro fast erreichten. Und als wäre das nicht genug, kam es am 27. April zu einem der stärksten Preissprünge seit Einführung der umstrittenen 12-Uhr-Tankregel. Diese Regel, die es Tankstellen seit dem 1. April 2026 nur erlaubt, die Spritpreise einmal täglich um 12 Uhr zu erhöhen, sollte eigentlich für stabilere Preise sorgen, doch die Realität sieht anders aus.
Trotz einer Senkung der Mineralölsteuer um rund 17 Cent ab Mai steigen die Preise weiter, was Verbraucherschützer und Branchenvertreter dazu veranlasst, die Abschaffung der 12-Uhr-Regel zu fordern. Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband weist darauf hin, dass diese Regel keinen positiven Effekt auf die Preise hat. Ein Blick auf die Berechnungen des ADAC zeigt, dass der Rohölpreis seit Einführung der Regel um über 8 % gefallen ist. Dennoch bleiben die Preise an der Zapfsäule hoch, und die Verbraucher müssen sich fragen, warum.
Die 12-Uhr-Regel unter der Lupe
Die 12-Uhr-Regel wurde eingeführt, um Preisschwankungen zu reduzieren und mehr Transparenz für die Verbraucher zu schaffen. Doch die Realität ist ernüchternd: Tankstellen ändern ihre Preise seit der Einführung nur noch seltener und die Preise steigen zur Mittagszeit oft um 5 bis 10 Cent pro Liter. Eine erste Auswertung des ADAC zeigt, dass sich Super E10 um durchschnittlich 9 Cent und Diesel um 10,5 Cent verteuern, was die Tankplanung zwar erleichtert, jedoch die Verbraucher nicht wirklich entlastet.
Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) zeigt, dass die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne durch die Regel gestiegen sind. In den ersten zwei Wochen nach Einführung legte die Gewinnmarge für Superbenzin im Schnitt um 6 Cent pro Liter zu. Diese Anstiege sind vor allem in Süddeutschland zu beobachten, wo die Preise für Benzin um bis zu 1,2 Cent und für Diesel um 2,4 Cent pro Liter stiegen. Regionale Unterschiede in den Lieferketten und dem Rohölbeschaffungsmarkt tragen ebenfalls zur Preisgestaltung bei.
Forderungen nach Entlastung
Die Kritik an der 12-Uhr-Regel wird lauter. Der Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland (BTG) sieht die Regel als „von Anfang an falsch“ an und warnt vor steigenden Belastungen für Verbraucher und Tankstellenbetreiber. Der BTG fordert ein Gespräch im Wirtschaftsministerium mit der Mineralölindustrie, um sicherzustellen, dass staatliche Entlastungen nicht in Unternehmensmargen verschwinden. Vorschläge zur Entlastung beinhalten direkte Hilfen für Haushalte, das Aussetzen der CO₂-Abgabe sowie Senkungen der Energiesteuer.
Das Bundeskartellamt soll zudem prüfen, ob der Wettbewerb im Kraftstoffmarkt tatsächlich funktioniert. Die Unsicherheit an der Zapfsäule ist zwar durch die 12-Uhr-Regel kleiner geworden, doch die Reaktionen der Mineralölkonzerne auf die Regel führen zu Risikoaufschlägen, die die Preise weiter in die Höhe treiben. Der ADAC warnt, dass ohne hartes Eingreifen der Behörden diese Regelung „zahnlos“ bleiben könnte.
Die Situation an den Tankstellen bleibt angespannt. Während die Verbraucher auf stabile Preise hoffen, scheinen die Mineralölkonzerne von den Regelungen zu profitieren. Es bleibt abzuwarten, ob und wann eine Reform der bestehenden Tankregelung in Angriff genommen wird und wie diese dann in der Praxis aussehen könnte. Eines ist jedoch klar: Die Diskussion um faire Preise an der Zapfsäule ist alles andere als beendet.
Für weitere Informationen zu diesem Thema, werfen Sie einen Blick auf die Artikel von Merkur, Tagesschau und ZDF heute.
