Kassenfallen: Wie ungesunde Snacks unsere Einkaufsgewohnheiten bestimmen
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat jüngst ein Augenmerk auf die Kassenbereiche in den Geschäften geworfen und dabei erschreckende Ergebnisse zutage gefördert. In einer umfassenden Analyse von 82 Kassenbereichen in 22 Einzelhandelsgeschäften wurden die Verkaufsstrategien der Discounter und Supermärkte untersucht. Das Ergebnis: Ungesunde und suchtfördernde Produkte dominieren die Kassenbereiche, während gesunde Alternativen rar gesät sind. Über 80% der Kassen bieten Süßigkeiten an, und mehr als die Hälfte der Kassen führt Tabakwaren. Besonders auffällig ist, dass sowohl Penny als auch Aldi an sämtlichen Kassen Zigaretten anbieten, während Drogerieketten wie dm und Biomärkte wie Denn’s darauf verzichten.
Die Studie zeigt, dass Verbraucher an der Kasse gezielt mit süßen Versuchungen, Tabak und Alkohol konfrontiert werden. Diese Strategie, auch bekannt als „Quengelware“, regt zu Impulskäufen an und könnte einen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Verbraucher haben. Nur vier von elf Händlern bieten gesunde Snacks wie Nüsse oder Nuss-Frucht-Mischungen an, während Alkohol in vielen Geschäften, aber nicht in allen, präsent ist. Die Drogeriekette dm, Rossmann und Alnatura verzichten beispielsweise auf alkoholische Getränke an der Kasse, was eine positive Ausnahme darstellt.
Gesunde Ernährung im Schatten der Verkaufsstrategien
Die Verbraucherzentrale kritisiert die Verkaufsstrategie des Handels scharf und fordert eine Unterstützung gesunder Ernährung. Diese ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden, da über 50% der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig sind und fast 25% fettleibig. Auch bei Kindern und Jugendlichen zeigt sich ein besorgniserregendes Bild: Rund 15% sind übergewichtig, etwa ein Drittel davon leidet unter Adipositas. Zu süße, salzige und fettige Lebensmittel sind überall verfügbar, was der gesunden Ernährung einen Strich durch die Rechnung macht.
Studien haben gezeigt, dass sichtbare Produkte in den Geschäften häufiger gekauft werden. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass der Handel Verantwortung übernimmt und gesunde Produkte in den Fokus rückt. Die Verbraucherzentrale fordert daher gesetzliche Regelungen zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln, insbesondere für Produkte, die sich an Kinder richten. Der Nutri-Score, ein erweitertes Nährwertkennzeichen, könnte hier eine wichtige Rolle spielen, indem er den Verbrauchern hilft, bessere Entscheidungen zu treffen.
Tipps zur Vermeidung von Impulskäufen
Um ungesunde Impulskäufe zu vermeiden, gibt es einige praktische Tipps, die jeder beim Einkaufen beherzigen kann:
- Einkaufszettel verwenden und sich daran halten.
- Einen gefüllten Einkaufskorb nutzen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
- Nicht hungrig einkaufen gehen.
- Selbstbedienungskassen nutzen, um Süßigkeiten zu umgehen.
- Ein festes Budget für den Einkauf setzen.
Es bleibt abzuwarten, ob und wie sich die Situation in den kommenden Jahren verändern wird. Die Verbraucherzentrale hat bereits angekündigt, dass detaillierte Ergebnisse des Marktchecks auf ihrer Website verfügbar sein werden, und es bleibt zu hoffen, dass die Forderungen nach einer gesünderen Verkaufsstrategie im Handel Gehör finden.
