Die Gepäckpraktiken von Billigfliegern stehen derzeit im Kreuzfeuer der Kritik. Verbraucherschützer und Mitglieder des EU-Parlaments fordern eine grundlegende Reform, die die kostenlose Mitnahme von Gepäckstücken bis zu 7 kg vorsieht. Diese Initiative wurde durch eine Beschwerde des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) bei der EU-Kommission ausgelöst. Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet erheben bereits Gebühren für größere Handgepäckstücke, was viele Reisende als Abzocke empfinden.

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 besagt, dass Handgepäck kostenlos sein muss, sofern es bestimmten Vorgaben entspricht. Die EU-Kommission könnte nun dazu gezwungen werden, die Airlines zur Änderung ihrer Gepäckrichtlinien zu bewegen. Diese Entscheidung könnte in den kommenden Monaten fallen, während die Airlines warnen, dass neue Handgepäck-Limits zu höheren Ticketpreisen und einem höheren Treibstoffverbrauch führen könnten.

Aktuelle Entwicklungen und Regelungen

Agustín Reyna, Generaldirektor des Europäischen Verbraucherverbands (Beuc), kritisiert die bestehenden Handgepäckgrößen als unzureichend für mehrtägige Reisen. Ryanair hingegen behauptet, dass ihre Gebühren EU-konform sind und eine Regeländerung die Ticketpreise erhöhen würde. Laut Airlines machen Zusatzleistungen wie Gepäck bis zu 20 % ihres Umsatzes aus. Die aktuellen Handgepäck-Beschränkungen sehen maximal 55 x 40 x 23 cm (inklusive Griffe und Rollen) und ein Gewicht von 8 bis 10 kg vor, je nach Airline.

Die Regelungen für Flüssigkeiten im Handgepäck sind ebenfalls streng: Flüssigkeiten sind auf 100 ml pro Behälter begrenzt und müssen in einem durchsichtigen 1-Liter-Beutel verpackt sein. Zudem variiert die Freigepäckgrenze für aufgegebenes Gepäck je nach Fluggesellschaft und Buchungsklasse, oft liegt sie zwischen 20 und 23 kg, während Übergepäckgebühren zwischen 10 und 50 Euro pro Kilogramm liegen können. Bestimmte Gegenstände, wie Batterien oder Gefahrstoffe, sind im Gepäck verboten, und Sicherheitsvorschriften untersagen die Mitnahme von scharfen Gegenständen, Waffen oder explosiven Materialien.

Neue Handgepäckregelungen ab 2025

Ab Sommer 2025 dürfen Passagiere künftig zwei Handgepäckstücke kostenlos mit an Bord nehmen, was für alle Flüge innerhalb der EU sowie bei Abflug oder Ankunft in einem EU-Mitgliedsstaat gilt. Das neue Handgepäckrecht umfasst einen persönlichen Gegenstand, wie eine Handtasche oder einen Rucksack, mit maximalen Maßen von 40 × 30 × 15 cm sowie ein zusätzliches Kabinengepäckstück mit einem maximalen Gesamtmaß von 100 cm (z. B. 55 × 35 × 10 cm) und einem Gewicht von bis zu 7 kg. Beide Gepäckstücke dürfen ohne Aufpreis mitgeführt werden.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Diese Regelung folgt dem EuGH-Urteil von 2014, das Airlines untersagte, für „vernünftiges Handgepäck“ zusätzliche Gebühren zu verlangen. Eine neue EU-Verordnung zwingt Fluggesellschaften zur Vereinheitlichung ihrer Gepäckregeln, und Zusatzkosten für Gepäck und Sitzplatzwahl müssen bereits beim ersten Buchungsschritt transparent angezeigt werden. Kritiker warnen jedoch vor möglichen höheren Basistarifen durch den Wegfall von Zusatzgebühren und einem Verteilungskonflikt beim Stauraum in der Kabine.

Insgesamt sehen Verbraucherverbände die neuen Regelungen als Vorteil, da sie klare Regeln und eine gerechtere Behandlung aller Reisenden fördern. Angesichts der aktuellen Einsparungen beim Kerosin, die zu Flugausfällen führen, ist die Diskussion um Gepäckgebühren und -regelungen aktueller denn je. So stellt Lufthansa bis Oktober 2026 ihre Cityline ein, was 20.000 Flüge betrifft.