Die Schokoladenliebhaber unter uns müssen aktuell eine bittere Pille schlucken. Die beliebte Milka-Schokoladentafel hat ihr Gewicht von 100 Gramm auf 90 Gramm reduziert. Zudem ist der Preis von 1,49 Euro auf 1,99 Euro gestiegen. Trotz dieser Reduzierung bleibt das Verpackungsdesign unverändert, während die Schokolade nun rund einen Millimeter dünner ist. Dies hat die Verbraucherzentrale Hamburg auf den Plan gerufen, die gegen Mondelez wegen unlauteren Wettbewerbs klagt und eine Täuschung der Kunden sieht.

Mondelez hingegen weist die Vorwürfe zurück und betont, dass das neue Gewicht klar auf der Verpackung angegeben sei. Informationen über die Änderungen seien zudem in sozialen Medien und auf der Unternehmenswebsite verfügbar. Ein Gericht in Bremen prüft derzeit den Fall, und der Vorsitzende Richter äußerte die Befürchtung, dass Verbraucher keinen Unterschied zwischen den alten und neuen Produkten erkennen könnten. Eine endgültige Entscheidung wird am 13. Mai erwartet.

Shrinkflation im Fokus

Das Phänomen der „Shrinkflation“, bei dem weniger Inhalt zum gleichen oder gar höheren Preis angeboten wird, ist nicht neu und betrifft viele Produkte, insbesondere in der Süßwarenbranche. So haben beispielsweise Airwaves Kaugummis ihre Stückzahl von 12 auf 10 reduziert, während der Preis gleich blieb, was einer versteckten Preiserhöhung von 20% entspricht. Auch Big Erdnuss Flippies wurden von 175 Gramm auf 150 Gramm reduziert, wobei der Preis gleichzeitig von 2,19 Euro auf 2,29 Euro stieg – das macht eine Preiserhöhung von 22%.

Ein weiteres Beispiel für die Taktik der „Shrinkflation“ ist die Milka-Schokolade, deren Preis nun um satte 48% gestiegen ist. Zusätzlich wird die Dicke der Schokolade von 7,5 mm auf 6,8 mm reduziert. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass Milka mit dem Negativpreis „Goldener Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge des Jahres ausgezeichnet wurde. Die Verbraucherzentrale führt eine Liste mit über 1.000 Mogelpackungen, die in den letzten Jahren immer länger geworden ist, und hat 77 neue Produkte allein im vergangenen Jahr verzeichnet.

Transparenz gefordert

Die Gründe für solche Füllmengenkürzungen sind vielfältig: gestiegene Produktionskosten und wirtschaftliche Unsicherheiten spielen dabei eine große Rolle. Die Verbraucherzentrale fordert daher mehr Transparenz bei Produktpreisen und verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen. Doch sowohl Handel als auch Industrie lehnen diese Maßnahmen ab. Selbst wenn das Gericht der Verbraucherzentrale recht gibt, könnte sich an der aktuellen Praxis nicht viel ändern. Verbraucher sollten beim Einkaufen stets alte Preise und Füllmengen im Kopf haben, was in der Realität oft eine Herausforderung darstellt.

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Die Verbraucherzentrale hat auch die Möglichkeit geschaffen, Änderungen online zu melden, und erhält jährlich bis zu 3.000 Beschwerden. Unter den kritisierten Produkten ist auch die Margarine „Sanella“, für die ein Gerichtsurteil im Jahr 2024 die Irreführung der Kunden bestätigte. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg vergibt seit 2014 den Preis für die „Mogelpackung des Jahres“. 2024 wurde Granini Trinkgenuss Orange ausgezeichnet, da der Orangensaftanteil pro Flasche halbiert wurde. Diese Entwicklungen werfen ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit, Verbraucher besser zu informieren und für mehr Transparenz zu sorgen.