Wohnungsnot in Europa: Steigende Zinsen und drohende Obdachlosigkeit verschärfen die Krise
Heute ist der 12.06.2026 und der Wohnungsmarkt in Europa steht unter immensem Druck. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf 2,25 Prozent angehoben. Ein Schritt, der die ohnehin schon angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen könnte. Die EU ist bereits stark belastet, und die EU-Grundrechteagentur (FRA) macht auf eine besorgniserregende Entwicklung aufmerksam: Die Hauspreise sind zwischen 2015 und 2024 um satte 53 Prozent gestiegen, während die Mieten in demselben Zeitraum um 17 Prozent zulegten.
Die Direktorin der FRA, Rautio, warnt vor einer möglichen Zunahme von Obdachlosigkeit – ein Thema, das vor allem junge Menschen und vulnerable Gruppen betrifft. Laut der Organisation Feantsa wird die Zahl der Obdachlosen in der EU bis 2025 auf 1,3 Millionen ansteigen, während 2023 bereits 895.000 Menschen ohne Zuhause waren. Ein alarmierendes Szenario, das durch die steigenden Lebenshaltungskosten und die anhaltende Inflation, unter anderem bedingt durch den Konflikt im Iran, weiter angeheizt wird.
Steigende Kosten und schrumpfende Wohnräume
Die EZB hat zudem ihre Inflationsprognose für 2026 auf 3,0 Prozent angehoben und die Wachstumsaussichten für das Bruttoinlandsprodukt auf lediglich 0,8 Prozent gesenkt. EZB-Chefökonom Lane bezeichnet die Zinserhöhung als eine Art Versicherungsschritt gegen die kriegsbedingten Teuerungsraten. In Deutschland steigen die Hypothekenzinsen für zehnjährige Laufzeiten auf etwa 4 Prozent, was Neubaukosten für Immobilien erheblich verteuert. ZIA-Präsidentin Schöberl warnt vor erschwerten Bedingungen für den Bau neuer Wohnungen. Das erste Quartal 2026 brachte einen Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland um 2,2 Prozent, wobei Einfamilienhäuser sogar um 2,5 Prozent zulegten. Besonders in Städten wie Hamburg, wo die Mieten in den Top-7-Städten um 4,9 Prozent gestiegen sind, wird die Lage prekär.
Die Bundesländer haben sich indes gegen die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne ausgesprochen. In Berlin plant die Koalition ein Mietenkataster, das eine zentrale Erfassung von Mietdaten ermöglichen soll, um die Mietpreisbremse automatisiert zu überwachen. Doch nicht alles läuft glatt – das Berliner WBS-System wird kritisiert, weil es wohnungslose Familien daran hindert, kleinere Wohnungen anzumieten. Das führt zu hohen monatlichen Kosten für die öffentliche Hand, da teure Notunterkünfte bereitgestellt werden müssen. Ein Teufelskreis, der sich nur schwer durchbrechen lässt.
EU-Maßnahmen und der Weg zu mehr Wohnraum
Die EU sieht sich in der Pflicht, gegen die Wohnungsnot vorzugehen. Immerhin geben 10 % der Haushalte in der EU mehr als 40 % ihres Einkommens für Wohnraum aus. Die Wohnungspolitik liegt zwar in der Verantwortung der Mitgliedstaaten, doch die EU hat durch ihre Binnenmarkt-, Sozial-, Kohäsions- und Umweltpolitik einen erheblichen Einfluss. Maßnahmen wie die europäische Säule sozialer Rechte und die Strategie für eine Renovierungswelle sollen helfen, die Situation zu verbessern. Grundsatz 19 dieser Säule garantiert das Recht auf Wohnraum und Unterstützung für Obdachlose.
Ein Aktionsplan zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit bis 2030 ist in Arbeit, und die Europäische Plattform zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit wurde 2021 ins Leben gerufen. Finanzierungsmechanismen wie der Europäische Sozialfonds Plus und InvestEU bieten zusätzliche Mittel, um den Wohnungssektor zu stärken. Zudem plant die EU, bis Dezember 2025 den ersten europäischen Plan für erschwinglichen Wohnraum zu erstellen. Ein Schritt in die richtige Richtung, doch die Herausforderungen bleiben groß.
Die politische Landschaft ist in Bewegung, mit Vorschlägen für eine Überarbeitung des sozialpolitischen Scoreboards, um Fortschritte im Wohnungssektor besser überwachen zu können. Ein Sonderausschuss zur Wohnungskrise wurde im Parlament eingerichtet, und es wird darüber diskutiert, die Mittel für den erschwinglichen Wohnraum zu verdoppeln. Die Zeit drängt, denn die Sorgen um bezahlbaren Wohnraum und die Obdachlosigkeit wachsen täglich.
