Die Nvidia-Aktie hat zuletzt ordentlich Federn gelassen. Am Freitag schloss sie bei 171,98 Euro, was einem Minus von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Hoch im Mai entspricht. Das macht schon etwas nachdenklich. Aber was ist da los? Der Chipkonzern hat seine Karten neu gemischt, vor allem was den Markt in China betrifft. Lange Zeit dachten die Anleger, das China-Geschäft sei nur ein vorübergehendes Problem, und sie hofften auf eine Lockerung der Exportkontrollen. Doch nun gibt es ganz andere Töne.

Nvidia-Chef Jensen Huang hat klargemacht, dass man den Markt für KI-Chips in China fast vollständig an Huawei abgegeben hat. Trotz eines Rekordquartals mit einem Umsatz von 81,62 Milliarden US-Dollar, was einem beeindruckenden Anstieg von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, zieht Nvidia in China den Rückzug an. Huang lobte Huawei als extrem stark und bestätigte, dass die Konkurrenz vor Ort mittlerweile dominierend ist. Politische Hürden blockieren den Verkaufsweg nach China, auch wenn es eine Genehmigung von US-Präsident Donald Trump für den H200-Chip gab, die aber eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt.

Der Einfluss der Exportkontrollen

Sicherheitsbedenken auf beiden Seiten stehen dem Geschäft im Weg. Huangs Lobbyarbeit und seine Reisen nach China haben nicht die erhoffte Wende gebracht. Er dämpfte die Erwartungen und riet Anlegern, bei der Zulassung moderner Chips für China „nichts zu erwarten“. Die letzten amerikanisch-chinesischen Gespräche scheinen die Exportkontrollen nicht einmal auf die Agenda gesetzt zu haben. Aktuell notiert die Aktie unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 181,36 Euro und hat in den letzten 30 Tagen etwa sieben Prozent an Wert verloren. Da hilft es auch wenig, dass Analysten den Rückzug aus China als handhabbares Problem bewerten, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 263,59 Euro.

Ein Blick auf den globalen Markt zeigt, dass Nvidias Chips leicht an Bedeutung verlieren, während das globale Wachstum dennoch intakt bleibt. Die 200-Tage-Linie bei 164,21 Euro spielt hier eine wesentliche Rolle als Unterstützung. Für die Anleger verschiebt sich der Fokus auf Rechenzentren und Unternehmenskunden außerhalb Chinas. Die müssen jetzt investieren, um die Kapazitäten zu nutzen, die Nvidia nicht mehr nach Peking liefern kann. Es ist ein drastischer Wandel im Geschäft, den Huang mit einem klaren Blick für die Zukunft ansteuert.

Ein schleichender Wandel

Der chinesische Markt war einst eine Goldgrube für Nvidia. Vor der Veröffentlichung von ChatGPT machte das Unternehmen den Großteil seines Umsatzes mit Gaming-Grafikkarten. Doch bis 2025 wird sich der Umsatzmix dramatisch verändern: Gaming wird nur noch etwa 10 Prozent ausmachen, während die Rechenzentrumssparte satte 90 Prozent ausmachen wird. Nvidia hat sogar den H20-Beschleuniger speziell für den chinesischen Markt entwickelt, kann ihn aber aufgrund des Exportstopps nicht verkaufen. Die US-Regierung hat strenge Exportbeschränkungen für Chips und KI-Anwendungen eingeführt, und bedeutende Produkte wie A100, H100, A800 und H800 sind betroffen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Der H20-Chip, der der schnellste KI-Chip ist, auf den China Zugriff hat, steht seit April nahezu still. Nvidia hat im letzten Quartal H20-Chips im Wert von 650 Millionen Dollar an nicht exportbeschränkte Kunden ausgeliefert, aber für das dritte Quartal sind keinerlei Lieferungen nach China eingeplant. Das große H20-Inventar drückt den Aktienkurs und wird wohl auch in Zukunft der Grund für Unsicherheit bleiben. Das US-Geschäft von Nvidia wächst, vor allem durch Infrastrukturprojekte wie Stargate, doch die Exportkontrollen könnten den chinesischen Markt, der für Nvidia einen Wert von 50 Milliarden Dollar hat, schließen. Bitter, oder?

Die Herausforderung durch Huawei

In der Vergangenheit erzielte Nvidia zwischen 2019 und 2021 den Großteil seiner Einnahmen mit chinesischen Kunden. Doch im kommenden Jahr wird China voraussichtlich auf den vierten Platz der geografisch gegliederten Umsätze fallen. Bestellungen aus Singapur machen zwar einen signifikanten Teil des Umsatzes aus, aber nur 2 Prozent aller Einnahmen werden dort generiert. Die Exportstopps haben Nvidia im ersten Quartal zwischen 4 und 5 Milliarden Dollar gekostet. Zudem haben chinesische Firmen wie Alibaba und Tencent kurz vor dem Verbot Aufträge im Wert von 16 Milliarden Dollar bei Nvidia abgeschlossen.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird. Chinesische Firmen nutzen ältere Chips, um wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln, während Huawei plant, seine KI-Bemühungen weiter zu intensivieren. Das könnte eine echte Herausforderung für Nvidia darstellen. Und die US-Politik? Der Gain AI Act könnte noch mehr Exportbeschränkungen für Nvidia bedeuten. Man fragt sich, wie lange Nvidia diesen Druck aushalten kann und ob eine Wende in Sicht ist.

Weitere Informationen finden Sie auf manager-magazin.de.