Milchmarkt im Wandel: Stabilität trifft auf sinkende Inhaltsstoffe
Heute ist der 19.06.2026. Der Milchmarkt in Deutschland zeigt sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen stabilen Mengen und sinkenden Inhaltsstoffen. Nach dem Saisonhoch zur Monatsmitte ist die Milchanlieferung in Deutschland weiter zurückgegangen. In der 23. Kalenderwoche wurden bundesweit knapp 0,3 % weniger Milch erfasst als in der Vorwoche. Der Rohstoffaufkommen zu Beginn des Juni lag jedoch weiterhin 6,6 % über dem Vorjahresniveau. Dies ist auf einen stärkeren Mengenrückgang im Vergleichszeitraum des Vorjahres zurückzuführen.
Einige Molkereien berichten von stabilen oder sogar steigenden Milchmengen, während der durchschnittliche Fettgehalt konventionell erzeugter Kuhmilch von 4,26 % im Januar auf 4,16 % im März sank. Erstmals in diesem Jahr lag dieser Wert unter dem Vorjahresniveau. Auch der Eiweißgehalt zeigte sich rückläufig und erreichte im März 3,52 %, was immerhin über dem Wert des Jahres 2024 lag. Die Marktlage für Magermilchpulver bleibt ruhig, da viele Einkäufer sich bereits für das dritte Quartal eingedeckt haben. Das sorgt für eine zurückhaltende Exportnachfrage und begrenzte kurzfristig verfügbare Mengen.
Preise und Marktveränderungen
Die Preise für Lebensmittel- und Futtermittelware tendieren leicht schwächer. Die Notierung für loser Markenbutter im 25-kg-Block sank auf 3,85 bis 4,00 €/kg, während die Preise für geformte Markenbutter in der 250-g-Packung stabil bei 3,85 bis 4,45 €/kg blieben. In der 24. Kalenderwoche gaben die Spotmilchpreise in der EU erneut nach und bewegen sich in Richtung 20 €/100 kg. Aktuell liegt der Spotmilchpreis in Deutschland bei 20,75 €/100 kg.
Ein Blick auf die Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) zeigt, dass die Zahl der Milchviehbetriebe um knapp 1.500 gesunken ist, während sich der Milchviehbestand erstmals seit 2015 stabilisierte. Für 2025 wird ein Rückgang des Konsummilchverbrauchs auf etwa 45 Kilogramm pro Person prognostiziert, was einem leichten Rückgang von rund einem Kilogramm im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Immerhin steigt der Verbrauch von Käse und Butter: Pro Person wurden rund ein Kilogramm Käse und 250 Gramm Butter mehr konsumiert als 2024.
Herstellung und Selbstversorgung
Die hergestellte Menge an Konsummilch fiel um 2,6 Prozent, der pro Kopf-Verbrauch sank auf 45,1 Kilogramm. Interessanterweise stieg jedoch die Herstellungsmenge von Butter und Milchfett- und Streichfetterzeugnissen um 9,4 Prozent, während der Selbstversorgungsgrad für Butter und Streichfetterzeugnisse auf 111,5 Prozent (2024: 106,6 Prozent) kletterte. Die Käseherstellung wuchs leicht von 2,74 Millionen Tonnen (2024) auf 2,76 Millionen Tonnen, erfreulicherweise stieg auch der Pro-Kopf-Verbrauch auf 26,4 Kilogramm. Der Selbstversorgungsgrad für Käse sank jedoch auf 125 Prozent (Vorjahr: 129 Prozent).
Obwohl die europäischen Kuhmilchanlieferungen zwischen 2015 und 2024 um mehr als 7 % stiegen, variieren die Entwicklungen in Deutschland, Österreich und Frankreich. Während in Deutschland die Zahl der Milchverarbeitungsbetriebe nach dem Quotenende wuchs, blieb sie in Österreich und Frankreich rückläufig. Das zeigt, wie unterschiedlich die Märkte agieren und auf welche Weise sich die Erzeugerorganisationen in Deutschland und Frankreich etablieren, während in Österreich die Genossenschaftsstruktur dominiert.
