Himmelssturm: Wie der Iran-Krieg die Luftfahrtbranche ins Chaos stürzt
Die Luftfahrtbranche steht aktuell unter einem enormen Druck, und die Gründe dafür sind vielfältig. In den letzten zwei Wochen haben Fluggesellschaften weltweit sage und schreibe zwei Millionen Sitzplätze und 12.000 Flüge aus ihren Mai-Flugplänen gestrichen. Das berichtet der Finanzdienst The Kobeissi Letter (TKL). Die Gesamtzahl der verfügbaren Sitzplätze ist auf 130 Millionen gesunken. Ein Grund für diese drastischen Maßnahmen sind die seit Beginn des Iran-Kriegs verdoppelten Kerosinkosten. Die Airlines müssen unrentable Strecken streichen, kleinere Flugzeuge einsetzen und die Ticketpreise anheben – eine vertrackte Situation für alle Beteiligten.
Besonders betroffen sind große Carrier wie Turkish Airlines und Air China, die jeweils rund 520.000 bzw. 490.000 Sitze gestrichen haben. Die Lufthansa hat allein im Mai etwa 4.000 Flüge aus ihrem Plan genommen und plant bis Oktober insgesamt 20.000 Flüge zu streichen. Auch Golf-Airlines wie Emirates, Etihad und Qatar Airways operieren unter ihrer Kapazität vor dem Konflikt. Die Flughäfen in Singapur und Tokio haben die Airlines aufgefordert, keine zusätzlichen Flüge anzubieten, um den Kerosinverbrauch zu begrenzen. In Vietnam hat man sogar mit der Rationierung von Flugtreibstoff begonnen – ein Alarmzeichen, das keiner übersehen sollte.
Preisschock und Kapazitätskürzungen
Die Luftfahrt wird besonders hart getroffen, denn Kerosin macht bis zu 25% der Betriebskosten aus. Das bedeutet, dass Airlines gezwungen sind, ihre Preise zu erhöhen. Der Preis für ein Barrel Kerosin hat sich seit Ende Februar im Schnitt verdoppelt, was eine direkte Auswirkung des Iran-Kriegs ist. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat bereits angedeutet, dass sich die höheren Kraftstoffpreise in den Ticketpreisen niederschlagen werden – und das ist nicht nur ein leeres Versprechen. Fernreisen nach Asien sind bereits spürbar teurer geworden. United Airlines plant, 5% der geplanten Kapazitäten für 2026 zu streichen, was die ohnehin angespannte Lage noch weiter verschärfen könnte.
Die Unsicherheit ist groß. Fluggesellschaften in den Golfstaaten sind stark eingeschränkt. Europäische Airlines profitieren kaum von der Situation, während die Nachfrage sinkt und Buchungen zurückgehen. Cord Schellenberg, ein Experte auf dem Gebiet, hat festgestellt, dass Kerosin ein begrenztes Produkt mit einem kleinen Abnehmerkreis ist, was zu extremen Preisschwankungen führt. Das ist wie ein Spiel auf der Rasierklinge – das kann jederzeit kippen.
Die Zukunft der Luftfahrt
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Goldman Sachs schätzt, dass die kommerziellen Kerosinvorräte in Europa bis Ende Mai oder Anfang Juni auf weniger als 23 Versorgungstage sinken könnten. Laut Internationaler Energieagentur ist dies eine kritische Schwelle für Flughäfen. Im schlechtesten Fall könnten die Vorräte bis zum Jahresende erschöpft sein, falls sich die Lage im Persischen Golf nicht normalisiert. Ryanair-CEO Michael O’Leary hat bereits gewarnt, dass einige europäische Fluggesellschaften möglicherweise Konkurs anmelden könnten, wenn die Kerosinpreise hoch bleiben. In Frankreich plant Präsident Emmanuel Macron sogar Staatshilfen für Air France.
Die Volatilität an den Märkten ist ebenfalls ein Thema, das nicht ignoriert werden kann. Donald Trump beobachtet die Entwicklungen und möchte nicht, dass die Märkte fallen. Die norwegische Zentralbank hat den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent angehoben, was die steigenden Öl- und Gaspreise zusätzlich anheizen könnte. Großbritannien steht vor finanziellen Schwierigkeiten, die Kreditkosten sind auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten gestiegen. Es ist also ein ganz schön stürmisches Wetter, das sich da über der Luftfahrtbranche zusammenbraut.
Die Fragen um die Zukunft der Luftfahrt bleiben also. Was kommt als Nächstes? Wird sich die Lage normalisieren, oder müssen wir uns auf noch mehr Einschränkungen einstellen? Die Zeit wird es zeigen.
