Frankfurts Konstablerwache vor dem Umzug: Kunstinstallation oder Marktchaos?
Die Frankfurter Konstablerwache, ein lebendiger Knotenpunkt für Einheimische und Touristen, steht vor einer ungewöhnlichen Herausforderung. Im Juli wird der beliebte Erzeugermarkt, der für seine frischen regionalen Produkte bekannt ist, an zwei neue Standorte umziehen: Die Lebensmittelstände finden Platz an der Hauptwache, während die Gastronomiebetriebe am Roßmarkt unterkommen. Der Grund? Bauarbeiten, die für die Kunstinstallation „A Sky Full of Hope“ von Janet Echelman vorbereitet werden. Diese Arbeiten sind nicht nur oberflächlich, sondern reichen bis zu einem Meter tief in den Boden und bringen eine gewisse Unruhe mit sich.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Markt umziehen muss. In der Vergangenheit gab es bereits ähnliche Situationen, etwa im Rahmen des Christopher Street Days. Doch die aktuelle Trennung zwischen den Ständen sorgt sowohl bei Händlern als auch bei Kunden für Unmut. Vor allem der Obsthof Dienst, der seit Jahren für seinen Apfelwein und frisches Obst bekannt ist, beklagt, dass die neue Lage die Erreichbarkeit seiner treuen Kunden erheblich erschwert. Michael Lorenz, Prokurist der Hafen- und Marktbetriebe, versichert, dass alle Betriebe einen Stand am Ausweichstandort erhalten haben, jedoch die Fläche an der Hauptwache begrenzt ist. Flucht- und Rettungswege müssen immer frei bleiben, und nicht jeder Boden ist für den Marktbetrieb geeignet.
Ein Markt mit Tradition
Der Erzeugermarkt an der Konstablerwache ist mehr als nur ein Ort für den Einkauf frischer Lebensmittel. Gegründet wurde der Frankfurter Marktverein e.V. Ende der 1980er Jahre, um eine Plattform für Bauern und Städter zu schaffen, die direktvermarktende Betriebe unterstützen. 2019 feierte der Markt bereits sein 30-jähriges Bestehen, was ihm den liebevollen Namen „Konsti-Markt“ einbrachte. Hier bieten die Mitglieder – allesamt Produzenten und Bauern – wöchentlich regionale, teilweise ökologisch angebaute Lebensmittel an. Der Markt hat sich als ein wichtiger Bestandteil der Frankfurter Einkaufs- und Esskultur etabliert und zieht sowohl Einheimische als auch Besucher an.
Doch jetzt, mit dem Umzug, sind die Sorgen groß. Bernd Rück, ein Anbieter von Wetterauer Kartoffeln, fragt sich, warum die Konstablerwache nicht gleich umfassend saniert wird, da das Pflaster in einem bedenklichen Zustand ist. Diese Fragen sind nicht unbegründet, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Kosten für die neue Kunstinstallation bei etwa zwei Millionen Euro liegen. Ein kleines Vermögen, das man auch in die Infrastruktur stecken könnte, könnte man meinen.
Die Zukunft des Marktes
Die Rückkehr des Marktes an die Konstablerwache am 1. August steht auf der Kippe. Viele fragen sich, ob das wirklich klappen wird. Der Arbeitskreis „Produktion & Vermarktung“ im Ernährungsrat versucht unterdessen, die regionale Warenverfügbarkeit in Frankfurt zu verbessern. Verbraucherinnen, Händlerinnen und Landwirtinnen diskutieren über die Hindernisse, die den Zugang zu regionalen Produkten erschweren. In enger Zusammenarbeit mit den Vertretern des Erzeugermarktes möchte der Ernährungsrat sicherstellen, dass nur Bauern und Bäuerinnen ihre selbst erzeugten Waren anbieten. Das Ziel: den Verbrauchern eine sichere Quelle für regionale Produkte zu geben.
Der Erzeugermarkt bleibt also ein Ort der frischen Waren direkt vom Bauern, auch wenn der Weg dorthin etwas holprig ist. Die Themen, die hier behandelt werden, sind vielfältig und reichen von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren ist entscheidend, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Ob der Markt am 1. August tatsächlich zurückkehren kann oder ob die Bauarbeiten den Plan durchkreuzen, bleibt abzuwarten. Die Frankfurterinnen hoffen auf eine positive Wende – und darauf, dass ihre Lieblingsstände bald wieder in gewohnter Umgebung strahlen können.
