Am Donnerstag, den 5. November 2026, wird im Stadtmuseum am Markt in Wiesbaden ein besonders aufschlussreicher Vortrag stattfinden. Dr. Götz Hartmann wird um 18 Uhr das Thema „Die Kriegsgräber auf dem Südfriedhof“ beleuchten. Dies ist nicht nur ein Vortrag, sondern eine Reise in die Vergangenheit, die uns die Schicksale von über 2.000 Menschen näherbringt, die auf dem größten Friedhof Wiesbadens, dem Südfriedhof, ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Der Südfriedhof hat eine bewegte Geschichte. Hier ruhen Männer, Frauen und Kinder aus Deutschland und anderen Ländern, viele von ihnen Opfer der Weltkriege des 20. Jahrhunderts oder der grausamen nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Der Landesverband Hessen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat die Gräber erforscht und wird im Vortrag die Geschehnisse und Geschichten hinter diesen Gräbern enthüllen. Es ist ein Ort des Gedenkens und des Lernens, und der Eintritt zum Vortrag ist frei – eine Einladung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Ein Blick in die Geschichte

Wussten Sie, dass der Wiesbadener Magistrat im August 1914 beschlossen hat, eine Gräberstätte für Kriegstote auf dem 1908 eröffneten Südfriedhof einzurichten? Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 wurden dort über 400 Tote bestattet, hauptsächlich deutsche Soldaten. Zwischen 1919 und 1939 fanden auch ehemalige Kriegsteilnehmer und eine Lazarett-Krankenschwester ihren Platz in dieser ruhigen Stätte. Die Erinnerungen an diese Menschen sind nicht vergessen, und die Notwendigkeit, die Bedeutung und Geschichte dieser Gräber zu vermitteln, ist heute wichtiger denn je.

Die Kriegsgräberfelder wuchsen im Verlauf des Zweiten Weltkriegs enorm an. Über 1.400 Tote fanden hier ihre letzte Ruhestätte – darunter nicht nur Soldaten, sondern auch zivile Luftkriegsopfer, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Besonders bewegend ist das Gräberfeld, in dem 171 Urnen mit den Aschen von NS-Opfern beigesetzt wurden. Diese Stätte wurde 1958 zu einer Gedenkstätte umgestaltet, ein Ort, der zum Nachdenken anregt und uns die Schrecken der Vergangenheit vor Augen führt.

Ein Zeugnis der Erinnerung

Auf dem Südfriedhof gibt es auch eine Informationstafel des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die über das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen informiert, die von der Wehrmachtsjustiz und der Gestapo ermordet wurden. Diese Toten wurden 1976 auf zentrale Kriegsgräberfelder umgebettet. Die Kriegsgräber des Südfriedhofs sind somit nicht nur eine Erinnerung an die Vergangenheit, sondern auch ein bedeutendes Zeugnis der Stadtgeschichte Wiesbadens im 20. Jahrhundert.

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Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat sich dem Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg verschrieben. Dabei sind nicht nur Soldaten, sondern auch Frauen, Kinder und alle Völker betroffen. Die Organisation erinnert an all jene, die durch Kriegshandlungen, Gefangenschaft, Vertreibung oder Flucht ihr Leben verloren haben. Angesichts aktueller Konflikte und der ständigen Bedrohung durch Extremismus und Rassismus ist es unerlässlich, diese Erinnerungen wachzuhalten und die Hoffnung auf Versöhnung zu betonen.

Wenn wir uns also am 5. November im Stadtmuseum am Markt versammeln, tun wir das nicht nur aus Neugier. Wir kommen zusammen, um zu lernen, zu gedenken und um die Geschichten derer, die vor uns waren, lebendig zu halten. Es ist eine Gelegenheit, die menschliche Geschichte in all ihrer Komplexität zu reflektieren und im Gedächtnis zu bewahren.