Der Markt für Adipositas-Therapien ist ein unentdecktes Land, das für Unternehmen wie Eli Lilly ein enormes Wachstumspotenzial birgt. Aktuell werden nur drei Prozent der Patienten mit Adipositas behandelt, und das trotz des vielversprechenden Durchbruchs in der Therapie. Das bedeutet, dass satte 97 Prozent der Betroffenen weiterhin ohne Behandlung bleiben – das ist eine riesige Lücke, die es zu füllen gilt. Eli Lilly hat kürzlich bei Goldman Sachs präsentiert, dass ihre Marktdurchdringung noch sehr gering ist, und neue klinische Daten unterstreichen die Fortschritte in der Forschung.

Ein großer Hoffnungsträger ist die orale Pille Foundayo (Orforglipron) sowie das injizierbare Zepbound (Tirzepatid). Diese Medikamente sollen nicht nur helfen, das Gewicht zu reduzieren, sondern auch den gefürchteten Jo-Jo-Effekt zu vermeiden. Im ersten vollen Quartal wurden bereits etwa 19.830 wöchentliche Verordnungen für Foundayo erteilt. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 71 Millionen Dollar für den Zeitraum von April bis Juni. Das Besondere an Foundayo: Es gibt keine strengen Vorschriften für Fasten oder Trinken – das könnte die Therapietreue ganz entscheidend erhöhen.

Aufstieg und Herausforderungen

Die Aktie von Eli Lilly notierte zuletzt bei 1.053,40 Euro, was allerdings 3,8 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.095 Euro liegt. Im bisherigen Jahresverlauf hat die Aktie jedoch um knapp 60 Prozent zugelegt. Ein weiterer Faktor, der die Nachfrage ankurbeln könnte, ist das Medicare-GLP-1-Programm zur Kostenübernahme. Doch wie so oft gibt es auch hier politische Hürden: Ein Kongressausschuss plant neue Prüfungen zu Eli Lillys klinischen Studien in China.

Weltweit kämpfen über 650 Millionen Menschen mit Adipositas, und die Nachfrage nach GLP-1-Medikamenten – wie Ozempic oder Mounjaro – hat bereits zu Produktionsengpässen geführt. Analysten erwarten, dass der Markt bis 2030 ein Volumen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Die Medikamente versprechen Gewichtsverluste von 15 bis 22 Prozent, was bei dauerhafter Einnahme zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führen kann. Aber es ist ein schmaler Grat, denn die Unternehmen müssen auch auf hohe Bewertungen achten, die anfällig für Rückschläge sind.

Technologische Entwicklungen

Die Entwicklung von GLP-1-Medikamenten in Tablettenform schreitet voran, und bereits erste orale Präparate sind auf dem Markt. Die Herausforderung dabei ist die geringe Bioverfügbarkeit dieser oralen Peptide. Neue Ansätze, wie die Forschung zu „Small Molecules“, sind in der klinischen Entwicklung. Zudem gibt es vielversprechende Studien zu Triple-Agonisten, die an GLP-1, GIP und Glukagon-Rezeptoren binden und Gewichtsverluste von über 24 Prozent zeigen. Das Ziel verschiebt sich: Weg von der reinen Gewichtsreduktion hin zu einer Verbesserung der „Quality of Weight Loss“, also dem Erhalt von Muskelmasse.

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Der Markt bleibt spannend: Die Marktdynamik könnte sich durch den Eintritt von Generika, die in Kanada und Brasilien bereits auf den Markt drängen, verändern. Es gibt auch Diskussionen über die Preispolitik in den USA – ein Preisdeckel durch das „Most Favored Nation“-Dekret könnte das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie in Frage stellen. Die Unternehmen investieren daher massiv in den US-Standort, um sich weniger von internationalen Lieferketten abhängig zu machen.