Bittere Päckchen: Anwohner in Markt Indersdorf kämpfen gegen Straßenausbaubeiträge
In Markt Indersdorf, einer kleinen Gemeinde in Bayern, haben Anwohner ein ganz besonderes Päckchen zu schnüren. Johannes Seitz ist einer von elf Anwohnern, die 2019 mit der Nachricht konfrontiert wurden, dass sie hohe Straßenausbaubeiträge zu zahlen haben. Der Daxberger Weg, der in die Kritik geraten ist, kostet die Gemeinde insgesamt 270.000 Euro. Und jetzt kommen Sie: Die Anwohner sollen bis zu 90 Prozent dieser Kosten übernehmen! Das klingt nach einem gewaltigen Batzen Geld. Johannes selbst musste 32.000 Euro auf den Tisch legen.
Doch wie kommt es zu diesen enormen Summen? Die bayerische Staatsregierung hat 2018 die umstrittenen Straßenausbaubeiträge (Strabs) abgeschafft. Früher konnten Kommunen bis zu 50 Prozent der Kosten auf Anliegerstraßen und bis zu 30 Prozent auf Durchgangsstraßen umlegen. Der Daxberger Weg wurde jedoch als Provisorium eingestuft und fällt damit unter die Straßenerschließungsbeitrags-Satzung (Strebs). Die Regelung erlaubt es den Gemeinden, bei Ersterschließungen bis zu 90 Prozent der Kosten auf die Anwohner abzuwälzen. Das sorgt für ordentlich Zündstoff. Viele Widersprüche sind noch offen, und die Marktgemeinde wartet auf Urteile zu laufenden Gerichtsverfahren.
Rechtslage und Unsicherheiten
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass das Bundesverfassungsgericht bereits 2013 mehr Klarheit zu Erschließungsbeiträgen forderte. Das führte 2016 zur Einführung einer 25-jährigen Ausschlussfrist. Interessant ist, dass der Bayerische Verwaltungsgerichtshof 2023 die Verjährungsfrist konkretisierte, die erst mit dem Beginn formaler Bauarbeiten zu laufen beginnt. Das trägt nicht gerade zur Beruhigung der Gemüter bei.
Ähnliche Geschichten gibt es auch in Eichenau, etwa 30 Kilometer südlich. Hier kämpfen die Anwohner der Meisenstraße mit einem Ausbau, der über 900.000 Euro kosten soll. Voraussichtlich 560.000 Euro werden auf die Anwohner umgelegt. Bürgermeister Peter Münster ist fest davon überzeugt, dass die Meisenstraße als Ersterschließung gilt. Dabei setzen die Kriterien für eine endgültig ausgebaute Straße einiges voraus: Frostschutzunterbau, Entwässerung und Straßenbeleuchtung sind ein Muss.
Politische Stimmen und zukünftige Entwicklungen
In Freising, einer weiteren betroffenen Gemeinde, sind 74 Straßen aus den 1960er Jahren betroffen. Robert Weller, ein engagierter Stadtrat, warnt vor den Problemen, die durch die Erschließungsbeiträge für diese alten Straßen entstehen könnten. Er hat sogar eine Aktion gegen die Strebs ins Leben gerufen. Und in Vaterstetten wird die Andreas-Herz-Straße 2024 ausgebaut – auch hier werden die Kosten auf die Anwohner umgelegt. Die Bescheide dazu werden später folgen, und man kann gespannt sein, wie die Anwohner reagieren.
Die rechtlichen Grundlagen für die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen wurden durch das Gesetz zur Änderung des Kommunalabgabengesetzes (KAG) vom 26. Juni 2018 erheblich verändert. Seit dem 1. Januar 2018 dürfen keine Beiträge mehr für die Erneuerung und Verbesserung von Ortsstraßen sowie beschränkt-öffentlichen Wegen erhoben werden – solange die sachlichen Beitragspflichten zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes noch nicht entstanden waren. Das sorgt für einige Verwirrung und lässt viele Anwohner in einer Art Schwebezustand zurück.
Die Situation in Markt Indersdorf und den umliegenden Gemeinden zeigt, wie komplex und emotional die Thematik der Straßenausbaubeiträge ist. Die Anwohner sind hin- und hergerissen zwischen rechtlichen Auseinandersetzungen und dem Wunsch nach einer vernünftigen Lösung. Der Ausgang dieser Prozesse könnte weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Gemeinden und deren Bewohner haben.
