Abschied von Tegut: Ein kleiner Ort im Wandel und die Suche nach einer neuen Zukunft
In Flieden, einem kleinen Ort in Hessen, steht ein bedeutender Wandel an. Am 25. Juli 2026 wird der Tegut-Markt nach fast 35 Jahren schließen. Der Abschied ist bittersüß, und die ersten Regale sind bereits leergeräumt. Die Reduktion der Warengruppen, insbesondere bei Drogerie- und Non-Food-Produkten, ist im vollen Gange. Frische Waren werden in den letzten Tagen abverkauft, um die Entsorgung zu minimieren. Es ist fast so, als würde die Zeit stillstehen, während die Kunden durch die Gänge schlendern und die vertraute Atmosphäre genießen – die persönliche Betreuung und das freundliche Lächeln des Marktleiters Martin Zell, der 42 Jahre bei Tegut war, davon 35 Jahre in Flieden, wird fehlen.
Die Schließung ist nicht auf mangelnde Kundschaft oder schlechte Umsätze zurückzuführen, sondern vielmehr auf die ungewisse Zukunft des Tegut-Areals. Rewe und die Edeka-Tochter Netto sind bereits im Ort aktiv, doch einen neuen Betreiber für den Standort hat es nicht gegeben. Die Gemeinde hat eine Vorkaufsrechtssatzung beschlossen, die ihr die Möglichkeit gibt, im Falle eines Verkaufs zuerst zuzugreifen. Gespräche mit den Eigentümern sind im Gange, doch Informationen über Verkaufsabsichten bleiben aus. Bürgermeister Christopher Gärtner betont, dass die Entscheidung über das Grundstück letztlich bei den Eigentümern liegt. Die Zukunft ist ungewiss.
Der Verkauf an Edeka und die Folgen
Die Schließung des Tegut-Marktes ist nur ein Teil einer größeren Geschichte. Die Supermarkt-Kette Tegut, deren Hauptsitz in Fulda ist, wird an Edeka verkauft. Eigentümerin ist die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ), die festgestellt hat, dass Tegut langfristig nicht wirtschaftlich zukunftsfähig ist. Über 7.400 Mitarbeiter in rund 340 Filialen sind von dieser Entscheidung betroffen. Die Umsätze der Tegut-Kette sind zuletzt zurückgegangen, und die Marktbedingungen in Deutschland werden als zunehmend schwierig beschrieben. Ein Vertrag mit Edeka wurde bereits unterschrieben, der einen Großteil der Tegut-Filialen und Mitarbeitenden umfasst.
Die endgültige Übergabe der Filialen hängt jedoch vom zustimmenden Urteil des Bundeskartellamtes ab. Edeka könnte durch die Übernahme von 200 Tegut-Filialen 700 bis 800 Millionen Euro Umsatz hinzufügen. Kritische Stimmen zur Übernahme gibt es ebenfalls: Die Monopolkommission fordert eine intensive Prüfung durch die Aufsichtsbehörden, um die Marktmacht der großen Handelsketten zu überprüfen. Edekas Marktanteil im deutschen Lebensmitteleinzelhandel beträgt bereits 28 Prozent, und die Übernahme könnte sie zum dominierenden Anbieter in der Rhein-Main-Region machen.
Ein Abschied mit Wehmut
Die Kunden in Flieden zeigen sich traurig über die bevorstehende Schließung. Viele schätzten die persönliche Note, die der Markt über die Jahre hinweg vermittelt hat. Martin Zell, der stolz auf die Pionierarbeit des Unternehmens, insbesondere im Bereich Bio-Sortiment, zurückblickt, bedankt sich herzlich bei seinen Mitarbeitern und Kunden für die Treue. Die Beschäftigten haben bereits neue Perspektiven gefunden; einige wechseln innerhalb des Unternehmens, während andere in den Ruhestand gehen. Die Schließung hat jedoch auch einen bitteren Beigeschmack, da Tegut immer ein wichtiger Abnehmer für viele kleine Erzeuger war, besonders im Bio-Bereich, wo der Anteil bei 30 Prozent lag.
Die Schließung des Tegut-Marktes ist ein weiterer Schritt in einem sich verändernden Lebensmitteleinzelhandel, der zunehmend von großen Ketten dominiert wird. Die Lebensmittelpreise sind seit 2020 um 36,1 Prozent gestiegen, während die Kaufkraft für Lebensmittel gesunken ist. Dies hinterlässt Spuren in der Branche und wirft Fragen auf – nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter und die gesamte Region. Die Zukunft des Tegut-Areals in Flieden bleibt ungewiss, und die Gemeinde hat bisher keine konkreten Pläne für eine mögliche Nutzung des Geländes. Die Zeit wird zeigen, wie es weitergeht.
