Die Diskussion um Krypto-Banken in den USA nimmt an Fahrt auf. Der Vorstoß von US-Senatorin Elizabeth Warren, die Bankenaufsicht OCC (Office of the Comptroller of the Currency) zu kritisieren, sorgt für ein gehöriges Aufsehen. In einem kürzlich veröffentlichten Brief hat sie Comptroller Jonathan Gould vorgeworfen, neun Krypto-Unternehmen, darunter Größen wie Coinbase und Ripple, illegale National Trust Bank Charters erteilt zu haben. Damit könnte eine neue Dimension der regulatorischen Aufsicht über die Krypto-Industrie eingeläutet werden.

Warren fordert nun bis zum 1. Juni 2026 die vollständige Dokumentation aller Genehmigungen, insbesondere die Kommunikation zwischen OCC-Beamten und Trump oder dessen Familie. Ein ganz schön scharfer Ton, wenn man bedenkt, dass die Genehmigungen zwischen Dezember 2025 und April 2026 erteilt wurden – ein Zeitraum, in dem die Krypto-Landschaft einen gewaltigen Wandel erlebt hat. Die Senatorin argumentiert, dass die erteilten Genehmigungen gegen den National Bank Act verstoßen und erhebliche Risiken für das US-Bankensystem darstellen. Ihrer Meinung nach versuchen diese Firmen, sich den regulativen Anforderungen für traditionelle Banken zu entziehen, was die Frage aufwirft: Wo zieht man die Grenze?

Regulatorische Grauzone und mögliche Konsequenzen

Die erteilten Charters ermöglichen es Krypto-Unternehmen, in allen 50 Bundesstaaten unter einer einheitlichen Bundesaufsicht zu operieren, jedoch nicht zur Annahme von FDIC-versicherten Einlagen oder zur klassischen Kreditvergabe. Im Klartext: Diese Firmen dürfen keine Einlagen annehmen, sondern konzentrieren sich auf Dienstleistungen wie Verwahrung, Staking und Emission von Stablecoins. Hierbei ist es interessant, dass Stablecoins oft als die nächste große Sache im Krypto-Sektor angesehen werden, aber eben auch mit vielen Risiken behaftet sind. Warren sieht hier eine klare Absicht, regulatorische Schlupflöcher auszunutzen.

Besonders brisant wird die Situation durch den Hintergrund des Trust-Charter-Antrags der Krypto-Firma World Liberty Financial, die Verbindungen zur Trump-Familie hat. Warren und Gould hatten bereits bei einer Senate-Anhörung über diesen Antrag hitzige Diskussionen geführt. Gould hatte sich nicht bereit erklärt, den Antrag zu verzögern oder abzulehnen, was Warren zu der Annahme führte, dass er möglicherweise in Korruption verwickelt ist. Ein starkes Argument, wenn man bedenkt, dass die Genehmigungen während der Trump-Administration erteilt wurden.

Ein Blick auf die Marktentwicklung

Die Ereignisse um die Krypto-Charter-Vergabe geschehen vor dem Hintergrund eines sich verändernden regulatorischen Klimas in den USA. Der Senate Banking Committee hat den revidierten CLARITY Act verabschiedet, der die Struktur des Krypto-Marktes regeln soll. Hierbei geht es darum, digitale Assets klarer zu klassifizieren und die Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC zu definieren. Ein Schritt, der viele in der Krypto-Community sowohl beunruhigt als auch begeistert. Es bleibt abzuwarten, wie der Senat insgesamt über den Clarity Act abstimmen wird, immerhin gab es bereits Anzeichen von Widerstand gegen einige der Regelungen.

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Die Unsicherheit in der Krypto-Szene ist spürbar. Vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten 2024 war die Hoffnung groß, dass sich die Regulierung beschleunigen würde. Doch jetzt scheinen viele Banken und Vermögensverwalter in einer rechtlichen Grauzone festzustecken. Der Bitcoin-Kurs, der zwischenzeitlich auf ein Dreimonatshoch von 82.000 Dollar gestiegen war, fiel daraufhin wieder unter 77.000 Dollar. Es bleibt unklar, ob die Entwicklungen um die Trust-Charters und die Diskussionen über den Clarity Act zu einer Stabilisierung oder weiteren Unsicherheiten führen werden.

Die anhaltenden Spannungen zwischen traditionellen Banken und den Krypto-Unternehmen zeigen, dass die Branche vor einer Weggabelung steht. Warren ist eine prominente Stimme in diesem Wettlauf um Regulierung und Aufsicht. Der Druck auf die OCC könnte sich als entscheidend herausstellen, während die Krypto-Welt weiter um Akzeptanz in einem zunehmend skeptischen Markt kämpft. Ob die geforderten Offenlegungen zu den Krypto-Charters tatsächlich kommen und welche Auswirkungen sie auf die Branche haben werden, bleibt abzuwarten. Die Frist bis zum 1. Juni 2026 könnte für viele Unternehmen entscheidend sein.