Brasilien setzt neue Maßstäbe: Krypto-Verbot und die Zukunft der Stablecoins
Die Krypto-Welt ist im Umbruch, und Brasilien hat ein entscheidendes Kapitel aufgeschlagen. Am 30. April 2023 beschloss die brasilianische Zentralbank, Kryptowährungen bei grenzüberschreitenden Zahlungen zu verbieten. Dieses Verbot, das am 1. Oktober 2023 in Kraft tritt, betrifft vor allem die institutionelle Nutzung von Krypto-Assets. Die Resolution Nr. 561 ändert die bisherigen Regelungen für internationale Überweisungsdienste und schließt Kryptowährungen als Zahlungsoption aus. Stattdessen müssen Transaktionen über Devisentransaktionen oder brasilianische Real-Konten von Nichtansässigen abgewickelt werden. Auch wenn virtuelle Vermögenswerte als spezielle Kategorie anerkannt werden, sind sie für grenzüberschreitende Geschäfte nicht zugelassen.
Und als ob das nicht genug wäre, hat Bitso kürzlich einen Bericht veröffentlicht, der die Rolle von Stablecoins in Lateinamerika beleuchtet. Laut diesem Bericht machten Stablecoins im Jahr 2025 satte 40 % der Krypto-Käufe in der Region aus. Besonders auffällig: Der Anteil des USDC an den Käufen betrug 23 % und übertraf damit Bitcoin (18 %) und USDT (16 %). Meta und Stripe haben in Kolumbien USDC-Zahlungen eingeführt, um Kreativen die Möglichkeit zu geben, Einnahmen in Krypto zu erhalten – eine interessante Wendung, wenn man bedenkt, dass Meta zwischen 2019 und 2022 ein eigenes Krypto-Projekt (damals noch Libra) hatte, das aufgrund regulatorischer Widerstände eingestellt wurde.
Stabile Verhältnisse und neue Herausforderungen
Aber die brasilianische Zentralbank bleibt nicht untätig. Mit der neuen Resolution wird auch ein Verbot für elektronische Devisenanbieter eingeführt, die Stablecoins und Bitcoin für Auslandsüberweisungen nutzen. Firmen wie Wise, Nomad und Braza Bank dürfen Reais nicht mehr in USDT, USDC oder Bitcoin umwandeln, um Zahlungen im Ausland via Blockchain zu ermöglichen. Stattdessen müssen diese Transaktionen über Devisengeschäfte oder Nicht-Residenten-Konten in Reais erfolgen. Private Anleger hingegen dürfen weiterhin Kryptowährungen über autorisierte Dienstleister kaufen, halten und transferieren.
Ein weiteres Aufregerthema sind die Pläne der Zentralbank, die Einführung einer eigenen digitalen Währung, den Drex, voranzutreiben. Dieser soll die Vorteile von Stablecoins mit der Sicherheit einer Zentralbankwährung kombinieren. Und während Stablecoins bereits etwa 90 Prozent des gesamten Handelsvolumens im brasilianischen Krypto-Markt ausmachen, wird es spannend zu sehen, wie sich das regulatorische Umfeld entwickeln wird.
Ein Blick in die Zukunft
Zudem plant Brasilien ein Verbot für algorithmische Stablecoins wie USDe von Ethena und Frax. Diese Krypto-Assets, die ohne hinterlegte Reserven auskommen, stehen in der Kritik. Der Gesetzesentwurf 4.308/2024 sieht vor, dass Stablecoins nur dann ausgegeben werden dürfen, wenn sie zu 100 % durch Reserven gedeckt sind. Die Aufbewahrung dieser Reserven muss strikt getrennt erfolgen. Ziel ist es, Nutzern mehr Sicherheit zu bieten und das Risiko eines weiteren „Terra-Moments“ zu minimieren – ein Bezug zu den Turbulenzen beim Zusammenbruch der Terra-Token im Jahr 2022, der viele Länder zum Umdenken in Bezug auf ungedeckte Kryptowährungen bewegt hat.
Für Anbieter, die gegen diese neuen Regelungen verstoßen, drohen Strafen von bis zu acht Jahren Gefängnis. Das klingt nach einer harten Linie. Auch ausländische Stablecoins wie USDT und USDC müssen den brasilianischen Anforderungen entsprechen, wobei Börsen prüfen müssen, ob die Bedingungen für den Handel mit diesen Stablecoins erfüllt sind. Andernfalls haften sie für die Risiken. Es bleibt also spannend, wie sich die Krypto-Landschaft in Brasilien entwickeln wird, während sich die Regulierungen verschärfen und die Nutzer sich anpassen müssen. Wer hätte gedacht, dass wir in einer Zeit leben, in der Krypto-Regulierung so ein heißes Thema ist?
