WM in Atlanta: Wenn die Leere der Verkaufsstände zur wirtschaftlichen Herausforderung wird
In Atlanta, der Stadt, die bald im Fokus des internationalen Fußballs stehen wird, gab es am letzten Samstag ein unerwartetes Bild an der Steele Bridge nahe dem Mercedes-Benz Stadium. Die Verkaufsstände für Kleinunternehmen blieben leer. Ja, richtig gehört. Während die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft die Weltbühne betritt und Millionen von Fans in die Stadien strömen sollen, war die Realität für viele Händler eine andere. Matt Arambula und George Panga, zwei Fußballfans, waren sichtlich überrascht von der Leere der Stände. „Wo sind all die Leute?“ fragte Arambula und wies darauf hin, dass nicht genug Menschen in die Gegend geleitet wurden. Panga ergänzte, dass die Besucher kaum über die Aktivitäten außerhalb der zentralen Veranstaltungsorte informiert waren. Das klingt nach einer verpassten Gelegenheit, oder?
Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Global Grub Alley an der Walton Street. Hier blieben viele Foodtruck-Stellplätze ungenutzt. Kyle Jackson, ein Betreiber eines Foodtrucks, berichtete von schlechtem Wetter und mangelnder Bekanntheit seiner Angebote. Das Wetter kann man nicht beeinflussen, aber die Sichtbarkeit? Das ist ein anderes Thema. Jackson stellte fest, dass der Kundenstrom stark von der genauen Platzierung der Stände abhängt. Einige verbliebene Händler konnten dennoch Umsatzsteigerungen verzeichnen, nachdem sich ihre leckeren Angebote unter den wenigen WM-Besuchern herumgesprochen hatten. Aber was sagt das über die allgemeine Situation aus?
Die WM als wirtschaftliches Ereignis
Die Fußball-Weltmeisterschaft ist nicht nur ein sportliches Spektakel, sie ist auch ein bedeutendes wirtschaftliches Ereignis. Rund sechs Milliarden Menschen werden die Spiele weltweit verfolgen und zusätzlich werden sechs Millionen Fans in den Stadien erwartet. Die FIFA, der größte Profiteur dieses Turniers, rechnet mit Umsätzen von satten 13 Milliarden Dollar für den WM-Zyklus 2023-2026. Zum Vergleich: Bei der letzten WM in Katar lagen die Einnahmen zwischen sieben und acht Milliarden Dollar. Das sind schon ganz andere Dimensionen. Ticketpreise für das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada sind hoch – für das Auftaktspiel müssen die Fans mehr als 1.000 Dollar auf den Tisch legen. Da fragt man sich schon: Ist das noch für den Fan?
Die WM wird zudem von einer Erhöhung der teilnehmenden Mannschaften und Spiele geprägt sein. Von 32 auf 48 Nationalmannschaften, und die Anzahl der Spiele steigt von 64 auf 104. Die Einnahmeverteilung zeigt, dass 50% aus Medienrechten, 30% aus Sponsoring und nur 10% aus Ticketverkäufen stammen. Das macht die Haupteinnahmequelle der FIFA klar – die TV-Rechte. Diese werden in geheimen Verfahren vergeben und nicht in öffentlichen Versteigerungen. Das wirft die Frage auf, wie fair diese Verteilung wirklich ist. Für die Gastgeberländer, die oft hohe Kosten tragen, bleibt der wirtschaftliche Nutzen überschaubar, während FIFA und Streamingplattformen hohe Gewinne erzielen.
Prognosen und Realität
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026, die am 11. Juni beginnt, wird die größte ihrer Art sein. Mit 48 Nationalmannschaften und 16 Austragungsstätten sollen wirtschaftliche Effekte von bis zu 30,5 Milliarden Dollar für die Gastgeberstaaten und 40,9 Milliarden Dollar weltweit prognostiziert werden. Analysten warnen jedoch, dass diese Zahlen oft bescheidener ausfallen könnten, als man denkt. Die Gesamtkosten der WM belaufen sich auf rund 14 Milliarden Dollar, wobei die USA mehr als 11 Milliarden Dollar tragen. Der erwartete wirtschaftliche Impuls in den USA? 17 Milliarden Dollar – und das entspricht weniger als 0,1 Prozent des BIP.
Mexiko wird als relativer Gewinner hervorgehoben, mit einem Zusatznutzen von 3 Milliarden Dollar, was zwischen 0,2 und 0,5 Prozent des BIP entspricht. Die Zahlen klingen gut, aber öffentliche Ausgaben stehen dem gegenüber. Historische Daten zeigen, dass Mega-Sportereignisse ihre Budgets im Schnitt um 172 Prozent überschreiten. Ein Blick in die Zukunft zeigt: Neue Jobs sind meist nur während des Turniers vorhanden, und kaum neue Infrastruktur wird geschaffen. Das führt oft zu einer Verdrängung bestehender Touristenströme.
Eine Umfrage unter US-Hotels zeigt, dass fast 80 Prozent eine Buchungslage unter den Erwartungen melden. Gründe? Visaprobleme, geopolitische Lage und hohe Kosten. Historische Analysen deuten darauf hin, dass der tatsächliche BIP-Effekt oft von den ursprünglichen Schätzungen abweicht. Es könnte sich eher um eine vorübergehende Umverteilung von Wirtschaftsaktivität handeln, als um einen Motor für tiefgreifende strukturelle Veränderungen.
Die WM in Atlanta hat also viele Facetten – von der großen wirtschaftlichen Bedeutung bis hin zu den Herausforderungen, die sich für lokale Kleinunternehmen ergeben. Man darf gespannt sein, wie sich die Situation weiterentwickelt und ob die Stadt den Schwung der WM wirklich nutzen kann.
