Heute ist der 24.05.2026 und die Wirtschaftswelt schaut gebannt nach China. Der BASF-Chef Markus Kamieth wird nächste Woche gemeinsam mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche auf Reisen gehen. Ziel ist es, die Chemiebranche in Deutschland neu auszurichten – und das in einem Markt, der nicht nur Rohstoffquelle, sondern auch wachsender Wettbewerber ist. Die Reise könnte einige entscheidende Impulse liefern, während die deutsche Chemieindustrie gleichzeitig Druck auf die EU ausübt, um die Bedingungen im Emissionshandel zu verbessern.

BASF hat kürzlich ein neues Chemiewerk in Zhanjiang eröffnet, das mit einer Investition von fast neun Milliarden Euro die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte darstellt. Über 2.000 Mitarbeitende werden hier arbeiten, und das Werk ist vollständig mit erneuerbarem Strom versorgt. Das klingt zunächst nach einer Erfolgsgeschichte, doch die Realität sieht etwas anders aus. Die Chemieindustrie in China leidet unter Überkapazitäten und die Profitabilität des neuen Standorts wird anfangs niedriger sein als ursprünglich gedacht. Die Zuteilungsregeln im Emissionshandel könnten BASF zusätzlich belasten.

Herausforderungen im Emissionshandel

Die BASF-Aktie notiert derzeit knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Letzten Freitag schloss sie bei 51,58 Euro – ein Minus von 1%, aber seit Jahresbeginn hat sich die Aktie um über 15% verbessert. Doch die Branche zeigt sich besorgt über die geplanten Anforderungen für kostenlose Emissionszertifikate, die laut dem Chemieverband VCI die Transformationsmöglichkeiten der Wirtschaft übersteigen. Die Warnungen vor zusätzlichen Kosten von mehreren hundert Millionen Euro pro Jahr sind nicht zu überhören, und das, obwohl BASF schon stark von den Zuteilungsregeln betroffen ist. Die Unterstützung bei 50 Euro und der Widerstandsbereich zwischen 54,93 und 55,06 Euro sind für Investoren von großer Bedeutung.

Die Gespräche in China könnten auch politische Signale für den deutschen Chemiesektor liefern. Reiche hat sich bereits zu den hochsubventionierten chinesischen Chemieprodukten geäußert und fordert einen fairen Wettbewerb in offenen Märkten. Der Druck auf die deutschen Unternehmen wächst, und BASF bleibt da keine Ausnahme. Mit dem neuen Werk in Zhanjiang sollen künftig 18-19% des Umsatzes aus China kommen. Immerhin erwirtschaftet BASF derzeit schon rund 14% seines weltweiten Umsatzes in China.

BASF’s Strategie in China

Die Investitionen in China sind für BASF eine Notwendigkeit, um wettbewerbsfähig zu bleiben, besonders im Angesicht der Herausforderungen in Europa. Dort wurden bereits 90.000 Jobs in der Chemiebranche verloren, und der Abbau von Produktionskapazitäten in Deutschland, insbesondere im Stammwerk Ludwigshafen, ist ein klares Zeichen. Mehr als 1.000 Stellen wurden dort abgebaut, während BASF gleichzeitig Investitionen in Ludwigshafen zur Modernisierung ankündigt. Ein gewaltiger Spagat, der den Balanceakt zwischen kurz- und langfristigen Zielen verdeutlicht.

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Markus Kamieth, seit zwei Jahren an der Spitze von BASF, hat sich intensiv mit Krisenmanagement beschäftigt. Die geopolitischen Risiken, wie der mögliche Konflikt um Taiwan, werden zwar ernst genommen, jedoch wird eine militärische Eskalation als unwahrscheinlich eingeschätzt. Dennoch ist die Abhängigkeit von China ein heißes Thema, besonders nach dem Rückzug aus Russland. Die BASF-Führung betont, dass ein Rückzug aus China ein größeres Risiko darstellt als die Investition in den expandierenden Markt.

Die Eröffnungsfeier des neuen Werkes in Zhanjiang wird mit viel Spannung erwartet. Neben den BASF-Vertretern werden auch regionale Politiker anwesend sein. Diese Veranstaltung könnte als ein starkes Signal für die zukünftige Rolle von BASF in der globalen Chemiebranche gelten. Die Branche steht vor grundlegenden Veränderungen, und die nächsten Schritte werden entscheidend sein.