Der polnische Wohnungsmarkt steht derzeit im Fokus ausländischer Investoren, insbesondere deutscher Unternehmen. Der Anstieg der ausländischen Käufe hat zwar zu einem Boom geführt, doch gibt es auch politische Widerstände, die die Dynamik des Marktes beeinflussen. Anna Wojciechowska, Vertriebs- und Marketingleiterin von Robyg, hebt die Vorzüge der Wohnanlage Dobre Miejsce in Gdańsk hervor, die dem wachsenden Bedarf an komfortablen und funktionalen Mietwohnungen gerecht werden soll. Robyg gehört zur deutschen TAG Immobilien aus Hamburg, die seit 2021 eine bedeutende Rolle in der polnischen Immobilienlandschaft spielt.

Gdańsk, historisch als Danzig bekannt, ist nicht nur ein beliebtes Urlaubsziel, sondern auch eine Stadt mit einem der teuersten Immobilienmärkte in Polen. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Mietobjekte liegt bei etwa 66 Złoty (15,60 Euro), während Warschau mit 79 Złoty (18,65 Euro) die Spitze anführt. Mit dem Erwerb von Robyg für 2,5 Milliarden Złoty (550 Millionen Euro) hat TAG Immobilien seine Ambitionen im polnischen Mietmarkt untermauert und besitzt nun rund 3.500 Neubauwohnungen in Polen sowie etwa 83.500 Wohneinheiten in Deutschland.

Wachstum und Herausforderungen im polnischen Mietmarkt

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass in Polen 87% der Bevölkerung in eigenen Wohnungen leben, während nur 13% zur Miete wohnen. Im Vergleich dazu liegt dieser Anteil in Deutschland bei 53%. Dennoch verändert sich das Mietverhalten, insbesondere bei Geschäftsleuten, Studierenden und Rentnern, die zunehmend nach Mietwohnungen suchen. Mietpreise variieren stark je nach Stadt und Lage; in Warschau kann eine 30 Quadratmeter große Ein-Zimmer-Wohnung bis zu 1.000 Euro kosten.

Politische Kritik kommt von der konservativen Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS), die Bedenken über den Aufkauf polnischer Wohnungen durch ausländische Fonds äußert. Abgeordneter Piotr Uściński fordert dringend Schutzmechanismen für den polnischen Wohnungsmarkt und kritisiert das Fehlen von Förderprogrammen für polnische Familien. Diese politischen Spannungen könnten die zukünftige Entwicklung des Marktes beeinflussen, während TAG Immobilien einen möglichen Börsengang in Warschau plant, um das Wachstum weiter zu fördern.

Ausländische Investitionen nehmen zu

Im Jahr 2024 wurden laut dem polnischen Innenministerium über 17.000 Wohnungen von Ausländern erworben. Die gesamte Wohnfläche dieser Immobilien überschritt eine Million Quadratmeter, wobei ausländische Käufer 17.330 Wohnungen in Polen erwarben. Der Anteil ausländischer Investoren am polnischen Wohnungsmarkt liegt bei etwa 5 Prozent. Bevorzugte Städte sind Warschau, Krakau und Wrocław, wobei Warschau mit über 3.500 verkauften Wohnungen besonders im Trend liegt.

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Interessanterweise sind Käufer aus der Ukraine die aktivsten auf dem polnischen Immobilienmarkt. Im Jahr 2024 erwarben sie rund 9.000 Wohnungen, was etwa 50% aller ausländischen Käufe entspricht und einen Anstieg von über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Auch Käufer aus Belarus zeigen ein wachsendes Interesse, mit einem Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zu 2023.

Während das Interesse an polnischen Immobilien aus dem Ausland zunimmt, hat sich das deutsche Interesse im Jahr 2024 deutlich verringert. Deutsche Käufer erwarben Objekte mit einer Gesamtfläche von unter 57.000 m², was weniger als ein Achtel der Käufe durch ukrainische Investoren ausmacht. Dies stellt einen Rückgang von fast 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar.

Die geopolitische Lage Polens, insbesondere die Nähe zur Ukraine, wird von deutschen Investoren zwar nicht als hinderlich angesehen, doch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen könnten weiterhin entscheidend für die Entwicklung des polnischen Wohnungsmarktes sein.