Kroatien im Ferienwohnungs-Dilemma: Zwischen Einblick und Kontrolle
In Kroatien tut sich einiges im Bereich der Ferienunterkünfte. Eine neue Regelung zur Kontrolle dieser Unterkünfte nimmt Gestalt an, insbesondere im Hinblick auf den nicht-kommerziellen Sektor, der 2025 über 700.000 Betten erreicht hat. Dies übertrifft die offizielle Branche, die mit registrierten Familienunterkünften und Hotels insgesamt auf 1,1 Millionen Betten kommt. Die Zahlen sind dabei beeindruckend: 670.000 Betten in Familienunterkünften, 250.000 in Campingplätzen und 180.000 in Hotels. Doch die Übernachtungszahlen zeigen eine andere Richtung: Im Jahr 2019 verzeichnete der nicht-kommerzielle Sektor noch 13 Millionen Übernachtungen, während es aktuell nur noch etwa 10,5 Millionen sind. Besonders im Bezirk Zadar wurde ein Rückgang von vier Millionen nicht-kommerziellen Übernachtungen im Jahr 2025 festgestellt.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist der Immobilienmarkt in Kroatien. Zwischen 2019 und Ende 2025 haben Ausländer rund 70.000 Immobilien erworben, wobei Slowenen mit 19.000 Käufen voranpreschen, gefolgt von Deutschen (17.000) und Österreichern (7.000). Viele dieser Immobilien werden zwar als Privatdomizile genutzt, jedoch häufig heimlich vermietet, ohne dass dafür Steuerabgaben entrichtet werden. Dies wirft Fragen zur fairen Konkurrenz zwischen legalen und nicht-kommerziellen Unterkünften auf, wie Tourismus-Berater Nedo Pinezić kritisiert. Eine solch ungleiche Wettbewerbssituation verstärkt den Unmut unter den regulären Anbietern.
Herausforderungen bei der Registrierung
Die ungleiche Konkurrenz wird weiter verschärft durch die mangelhafte Kontrolle der nicht-kommerziellen Unterkünfte. Inspektoren dürfen ohne richterlichen Beschluss keine Privatwohnungen betreten, was die Überwachung erheblich erschwert. Zudem gibt es keine verlässlichen Aufzeichnungen über die Anzahl der nicht-kommerziellen Unterkünfte. Professor Josip Mikulić weist darauf hin, dass eine unzureichende Registrierung der Gäste eine der Hauptursachen für den Rückgang der Übernachtungen darstellt. Touristen registrieren sich oft nicht im gesetzlich vorgeschriebenen eVisitor-System, was zu verzerrten Daten führt. Beispielsweise wurden 2019 noch 13,1 Millionen Übernachtungen in nicht-kommerziellen Unterkünften verzeichnet, während 2024 nur noch 10,7 Millionen registriert wurden.
Ein weiteres Problem stellt die Touristensteuer dar, die mit 30% des vorgeschriebenen Betrags pro Person und Tag zu Buche schlägt. Eine Familie mit 15 Mitgliedern in Malinska zahlt dabei jährlich nur 126,5 Euro. Unregistrierte Touristen tragen ebenfalls zur Unklarheit bei den Ankünften und Übernachtungen bei. Nur etwa 5.000 Ferienhäuser im Binnenland Kroatien sind registriert, was die Situation weiter verkompliziert.
Ein Blick auf die Zahlen
Trotz dieser Herausforderungen zeigt der kroatische Tourismussektor insgesamt ein gesundes Wachstum. Bis Ende September 2025 wurden etwa 18,7 Millionen Touristenankünfte und 89,4 Millionen Übernachtungen in kommerziellen Unterkünften verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von 2,3% bei den Ankünften und 1,2% bei den Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr. Die Dominanz der Region Istrien ist dabei unübersehbar, mit 27,3 Millionen Nächten, was 30,5% des nationalen Gesamtwerts entspricht. Auch in Split-Dalmatien und Primorje-Gorski Kotar sind die Übernachtungszahlen angestiegen.
Die Vorhersagen für 2026 sehen eine Einführung von Registrierungsnummern für Ferienunterkünfte vor, die auf Plattformen wie Airbnb oder Booking.com notwendig sein werden. Diese Regelung könnte dazu beitragen, die Kontrolle über die nicht-kommerziellen Unterkünfte zu verbessern und die Zahlen transparenter zu gestalten. Buchungen über soziale Netzwerke oder den Freundeskreis bleiben von dieser Regelung unberührt.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die neue Gesetzgebung auf den Tourismus in Kroatien auswirken wird und ob sie dazu beiträgt, die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern. Der Druck auf die Registrierungsbehörden wächst, und die Notwendigkeit einer besseren Kontrolle und einer klaren Steuerpolitik wird immer drängender. Die Frage bleibt, ob Kroatien seine Position als beliebtes Urlaubsziel halten kann, während es gleichzeitig mit den Herausforderungen einer sich wandelnden Tourismuslandschaft konfrontiert ist.
