Die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt ist, gelinde gesagt, angespannt. Mike Kammann, der Chef der Bausparkasse Schwäbisch Hall, gibt einen düsteren Ausblick. Er prognostiziert steigende Immobilienpreise in den kommenden Jahren – und das wird die Sache nicht einfacher machen. „Die Erschwinglichkeit von Eigenheimen wird in den nächsten fünf Jahren schwieriger“, so Kammann. Dabei kritisiert er den geringen Wohnungsbau in Deutschland scharf. Ein echtes Problem, das, wie er sagt, sozialen Sprengstoff in sich birgt. Denn wer kann sich schon ein Eigenheim leisten? Reiche Eltern, Erbschaften, hohe Einkommen oder ein frühes Sparen – das sind die Faktoren, die den Weg zum eigenen Haus ebnen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Situation nicht rosig ist. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt – der niedrigste Wert seit über einem Jahrzehnt! Das sind 45.400 Wohnungen weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 18%. Und auch die Zahl der Einfamilienhäuser ist erschreckend gesunken, um fast ein Viertel auf nur 41.800. In der Zwischenzeit stiegen die Preise für Wohnimmobilien im Jahr 2024 um 3,2% im Vergleich zu 2023, was den ersten Preisanstieg seit drei Jahren markiert.

Herausforderungen für zukünftige Häuslebauer

Die Erschwinglichkeit von Wohneigentum hat sich in den letzten 40 Jahren drastisch verändert. Laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft ist der Eigenkapitalbedarf beim Immobilienkauf fast doppelt so hoch wie noch 1980. Millennials müssen heute im Durchschnitt 14 Jahre sparen, um genügend Eigenkapital anzusammeln – das ist doppelt so lange wie ihre Eltern. So wird der Traum vom Eigenheim für viele zu einer schier unüberwindbaren Hürde.

Und während die Preise weiter steigen, sehen wir auch, dass die Nachfrage nach Mietwohnungen ungebrochen hoch bleibt. Die Mietpreise sind bundesweit um 4,3% gestiegen, und in 93% der Landkreise sind die Nettokaltmieten ebenfalls gestiegen. In Städten wie Köln, wo die Preise um 3,3% kletterten, und Düsseldorf mit 2,1%, bleibt Wohnen ein teures Vergnügen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Rahmenbedingungen am Bau- und Immobilienmarkt haben sich seit 2022 und 2023 verbessert. Hypothekenzinsen sind unter den Höchststand von November 2023 gefallen, und einige Experten hoffen auf konjunkturelle Impulse durch die Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank. Auch die Baupreise zeigen Zeichen der Verlangsamung. Im ersten Quartal 2025 stiegen die Baugenehmigungen um 3,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was ein Lichtblick für den Wohnungsbau sein könnte.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Doch der Weg bleibt steinig. Der Bauüberhang, also die Menge an genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen, könnte helfen, die Marktlage zu stabilisieren. Ende 2024 waren rund 759.743 Wohnungen im Bauüberhang, davon 330.000 im Bau. Und trotz der ständigen Herausforderungen ist die Bundesregierung aktiv, um die Anzahl der Sozialmietwohnungen zu erhöhen und die Eigentumsquote, die laut Zensus 2022 bei 43,7% liegt, zu steigern.

Die Zukunft des deutschen Immobilienmarktes ist also ein Gemisch aus Hoffnung und Sorge. Um die eigenen vier Wände zu erreichen, sind Fleiß, Mut und oft auch einige Abstriche nötig. „Konsumverzicht bei Urlaub und Lebensstil“, empfiehlt Kammann, um für ein Eigenheim zu sparen. Ein harter Preis für den Traum vom Eigenheim, aber vielleicht der einzige Weg, um die eigene Wohnsituation nachhaltig zu verbessern.