Hessens Immobilien-Dilemma: Millionen für leere Räume und die Suche nach Lösungen
In Hessen, wo die Immobilienpreise in den letzten Jahren wie verrückt gestiegen sind, gibt es ein ganz anderes Problem: leere Immobilien! Im vergangenen Jahr zahlte das Land rund 6,1 Millionen Euro Miete für Gebäude, die niemand nutzt. Das klingt nach einer absurden Verschwendung, oder? Diese Information stammt aus einer Anfrage des fraktionslosen Landtagsabgeordneten Sascha Herr, der mit seinen Fragen ans Finanzministerium offenbar einen wunden Punkt getroffen hat.
Der Großteil der leerstehenden Immobilien in Hessen sind sogenannte „LEO-Objekte“. Diese wurden zwischen 2004 und 2006 von der damaligen Landesregierung verkauft – für sage und schreibe 2,1 Milliarden Euro. Doch anstatt diese Immobilien einfach abzustoßen, mietete man sie für bis zu 30 Jahre zurück. Das hat zur Folge, dass die Rückanmietungskosten bis Ende 2025 auf etwa 2,5 Milliarden Euro anwachsen werden. Wenn man darüber nachdenkt, fragt man sich doch: Wie konnte es so weit kommen?
Ein ungeschriebenes Kapitel der Immobilienpolitik
Die Gründe für den Leerstand der Liegenschaften wurden in der Anfrage nicht erläutert. Vielleicht ist es ein Mix aus unzureichender Nachfrage, veralteten Gebäuden oder einfach einer unglücklichen Lage. In Hessen verwaltet der Landesbetrieb Bau und Immobilien (LBIH) insgesamt 319 bebaute Immobilien. Eine einzelne Liegenschaft kann aus mehreren Gebäudeteilen, Nebenbauten und Garagen bestehen, aber letztlich bleibt die Frage: Was tun mit all diesen ungenutzten Flächen?
Um das Phänomen des Leerstands in Deutschland insgesamt zu beleuchten, werfen wir einen Blick über die Landesgrenzen. In Ostdeutschland stehen 530.000 Wohnungen leer, was 7,6 Prozent der gesamten Wohnungen entspricht. Westdeutschland hat mit einem durchschnittlichen Leerstand von 4 Prozent zwar weniger ungenutzte Immobilien, dennoch sind die Herausforderungen ähnlich. Der Flüchtlingszustrom 2015/16 konnte den Leerstand nicht verringern und die Auswirkungen der Konflikte seit 2022 auf die Immobilienmärkte sind ebenfalls nicht genau beziffert.
Strategien gegen den Leerstand
Bundesbauministerin Klara Geywitz hat nun eine Handlungsstrategie gegen den Leerstand präsentiert. Diese umfasst Förderprogramme zur Sanierung und zum Neubau von Wohngebäuden sowie die Umwandlung leerstehender Gewerbeimmobilien in Wohnraum. Ein besonders interessantes Projekt ist das „Jung kauft Alt“-Programm, das Familien beim Erwerb von Eigentum unterstützen soll.
Im Landkreis Wunsiedel hat man bereits erfolgreich gegen den Leerstand angekämpft. Dort wurden 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Kampagne „Freiraum Fichtelgebirge“ hat es geschafft, Rückkehrer zu werben. Außerdem kann der Landkreis auf eine hohe Kaufkraft verweisen und gehört zu den Top 5 der Regionen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. So zeigt sich, dass es durchaus Lösungen gibt – man muss sie nur ergreifen!
Die Handlungsstrategie des Bundes beinhaltet auch ein Sofortprogramm, das bis Ende 2026 die Herrichtung von 5.000 Wohnungen zum Ziel hat und der Politik, wie sie sich mit dem Leerstand auseinandersetzt, einen neuen, frischen Anstrich verleiht. Mit 790 Millionen Euro über Städtebauförderprogramme, insbesondere in ländlichen Räumen, soll dieser Herausforderung begegnet werden. Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen bald auch in Hessen fruchten werden, denn die Millionen, die für leere Immobilien gezahlt werden, könnten besser investiert werden.
