Stell dir vor, du stehst am Place de l’Estrapade im 5. Arrondissement von Paris. Menschen drängen sich an einem bestimmten Gebäude, um sich vor der Wohnadresse der Hauptfigur aus der Netflix-Serie „Emily in Paris“ ablichten zu lassen. Seit Oktober 2020 flimmert die Geschichte der amerikanischen Marketingmanagerin über die Bildschirme und zieht die Zuschauer in ihren Bann. Doch nicht nur die Handlung, auch die Kulisse hat ihre ganz eigene Faszination. Die Nachfrage nach Immobilien in dieser Gegend steigt, und das nicht ohne Grund: der „Emily-Effekt“ hat die Preise in die Höhe getrieben.

Führungen, die sich um das Phänomen „Emily in Paris“ drehen, werden von über 30 Anbietern offeriert. Eine autorisierte Tour, die mindestens 52 Euro kostet und zweieinhalb Stunden dauert, zieht vor allem amerikanische Touristen an. In der ersten Staffel lebte Emily in einer Wohnung, die später nachgebaut wurde. Lustigerweise dient der Blumenladen in der Serie als Kulisse für einen Copyshop, und das italienische Restaurant „Terra Nera“ wurde für mehrere andere Restaurants genutzt. Wer hätte gedacht, dass eine Serie so viel Einfluss auf den Immobilienmarkt haben könnte?

Immobilienpreise und Käuferinteresse

Die Preise für Wohnungen am Drehort sind schwindelerregend: 3,8 Millionen Euro für eine 152 m² große Wohnung und 650.000 Euro für eine 40 m² große. Besonders amerikanische Käufer zeigen großes Interesse. Einige von ihnen sehen den Kauf sogar als Erbe für ihre Kinder. Die Immobilienfirma bietet diese Wohnungen direkt am Drehort zum Verkauf an. Komischerweise wünschen sich die Anwohner am Place de l’Estrapade mehr Ruhe, während die Touristen die Szenerie genießen.

Wusstest du, dass Netflix plant, die Serie nach sechs Staffeln einzustellen? Die Dreharbeiten für die letzten Episoden finden in Griechenland statt. Aber die Merchandise-Produkte, die rund um die Serie kreiert wurden, sind ein echtes Geschäft. Von Parfüms über Handyhüllen bis hin zu Taschen – die Welt von „Emily in Paris“ hat sich zu einer Marke entwickelt. Jasmin, die Führerin, verkauft während ihrer Tour Merchandise, und auch die Luxustasche „Peekaboo“ von Fendi hat es in die Serie geschafft.

Filmtourismus im Fokus

Interessanterweise ist das nicht das erste Mal, dass eine Serie oder ein Film einen so starken Einfluss auf den Tourismus hat. In einer Bachelorarbeit von Tobias Büchler, die 2015 an der Hochschule Mittweida eingereicht wurde, wird das Phänomen des Filmtourismus untersucht. Die Arbeit zeigt, wie Filme und TV-Serien als Marketingwerkzeuge für touristische Destinationen fungieren. Beispiele wie „Der Herr der Ringe“ in Neuseeland oder „Game of Thrones“ in Kroatien verdeutlichen die Veränderungen an den jeweiligen Drehorten.

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Filmtourismus hat sich als Trend etabliert, der es den Menschen ermöglicht, fiktive Welten in der Realität zu erleben. Die Motivation der Touristen, Orte zu besuchen, die als Handlungs- oder Drehorte dienten, ist stark. Der Einfluss von Filmen und Serien auf den Tourismus reicht bis in die 1930er Jahre zurück und hat sich seither stetig weiterentwickelt. Die Parallelen zu „Emily in Paris“ sind unübersehbar. Die Serie hat nicht nur das Interesse an Paris neu entfacht, sondern auch den Immobilienmarkt in der Umgebung beeinflusst. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn die letzten Episoden der Serie über die Bildschirme flimmern.