Zukunftsangst: Studierende setzen auf Jobsicherheit statt Karrierechancen
Die Zeiten, in denen Studierende nach dem Abschluss mit einer rosigen Zukunft rechnen konnten, scheinen vorbei zu sein. Eine aktuelle Umfrage von EY hat ergeben, dass das Vertrauen in einen schnellen und passenden Jobeinstieg spürbar sinkt. Nur noch 39 Prozent der 2.000 befragten Studierenden glauben daran, zeitnah eine adäquate Stelle zu finden. Das ist ein Rückgang um satte 15 Prozentpunkte im Vergleich zur Umfrage von 2024. Während also die Zuversicht schwindet, zeigt sich gleichzeitig ein Anstieg bei denjenigen, die einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben für wahrscheinlich halten – 49 Prozent, was einem Plus von neun Prozentpunkten entspricht.
Die Umfrage wurde im März 2026 durchgeführt und ist repräsentativ für die Stimmung unter Studierenden in Deutschland. 12 Prozent der Befragten blicken pessimistisch auf ihren Berufseinstieg – das ist ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zu vor zwei Jahren. Was uns das sagen will? Die wirtschaftliche Lage scheint das Selbstvertrauen der jungen Generation stark zu beeinflussen.
Jobsicherheit als oberste Priorität
Besonders auffallend ist, dass der Fokus der Studierenden sich merklich verschoben hat. Jobsicherheit ist für 52 Prozent der Befragten der wichtigste Faktor bei der Wahl ihres zukünftigen Arbeitgebers. Gehalt und mögliche Gehaltssteigerungen folgen mit 43 Prozent, während flexible Arbeitszeiten für 41 Prozent entscheidend sind. Jan-Rainer Hinz von EY beschreibt diesen Wandel als einen Paradigmenwechsel, bei dem Sicherheit vor Karrierechancen und Entwicklungsmöglichkeiten steht. Die angespannte wirtschaftliche Lage und die steigenden Arbeitslosenzahlen – auch unter Akademikern – spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Ein Blick auf die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen untermauert diese Entwicklungen. Die deutsche Wirtschaft steckt in einer längeren rezessiven Phase. Im Jahr 2025 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt gerade einmal um 0,1 Prozent, nach zwei Jahren Rückgang. Obwohl die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um 48.000 auf 34,9 Millionen anstieg, blieb die Erwerbstätigkeit nahezu unverändert. Besonders alarmierend: Die Arbeitslosigkeit stieg im Jahr 2025 um 161.000 auf 2,9 Millionen. Auch die Akademikerarbeitslosigkeit erreichte mit 335.000 einen neuen Höchststand, die Quote stieg auf 3,3 Prozent.
Wandel der Arbeitswelt
Die Unsicherheit schlägt sich also nicht nur in den Köpfen der Studierenden nieder – sie ist auch ein Spiegelbild der aktuellen Arbeitsmarktsituation. Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern sank im Jahr 2025 auf einen historischen Tiefstand mit nur 632.000 neu eingegangenen Stellenmeldungen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Akademiker stieg zwar um 160.000, doch gleichzeitig war ein Rückgang der Stellenangebote für hochkomplexe Tätigkeiten um 8 Prozent zu vermelden. Gerade in Bereichen wie Medizin, Pharmazie, IT und Sozialwesen ist die Nachfrage jedoch gestiegen.
Diese Entwicklungen scheinen die derzeitige Studierendenschaft zu verunsichern. Die Zahl der Studierenden blieb im Wintersemester 2024/25 stabil bei 2,9 Millionen, doch die Sorgen um den Berufseinstieg nehmen zu. Ein Blick in die Zukunft könnte zeigen, dass diese jungen Menschen mit einem klaren Fokus auf Sicherheit in den Beruf starten wollen – was für die Arbeitgeber von morgen eine interessante Herausforderung darstellen könnte.
