Saudi-Arabien hat in den letzten Jahren viel Wind um seine Zukunftsstrategie „Vision 2030“ gemacht. Doch jetzt wird klar: Der große Traum droht zu platzen. Die Pläne, die einst als das Nonplusultra der wirtschaftlichen Diversifizierung galten, sehen sich nun einem harten Realitätstest gegenüber. Projekte wie „Neom“, „The Line“, „Trojena“ und die „LIV Golf“-Serie werden kräftig zusammengestrichen. Man könnte sagen, der Ausgabenrausch findet sein Ende, und das hat seine Gründe.

Die Staatsfinanzen sind durch niedrigere Ölpreise und den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten stark belastet. Ausländische Investoren sind nicht in der erhofften Zahl erschienen und haben die großen Megaprojekte nicht mit dem versprochenen Kapital unterstützt. Das hat den Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS), der Vision 2030 vor zehn Jahren ins Leben rief, dazu gezwungen, die Strategie zu überdenken. Trotz eines Staatsfonds PIF mit fast einer Billion Dollar, scheinen die Träume von schillernden Megastädten in der Wüste und futuristischen Sportanlagen in weite Ferne gerückt.

Die schwindende Hoffnung auf „Neom“ und Co.

Ein Paradebeispiel für die Schwierigkeiten ist das Projekt „Neom“, das einst als das Herzstück der Vision galt. Der Public Investment Fund (PIF) hat es jetzt als „unabhängiges Ökosystem“ umklassifiziert, was bedeutet, dass es nicht mehr den ursprünglichen Leistungskennzahlen (KPIs) der Vision 2030 unterliegt. Die Bauarbeiten an „The Line“, einem zentralen Element von Neom, wurden bereits 2025 ausgesetzt. Statt der ursprünglich geplanten 170 Kilometer sollen nun nur 2,4 km bis 2030 realisiert werden – das sind gerade einmal 1,4% der ursprünglichen Vision!

Die Reaktionszeit auf diese Umstände ist alles andere als schnell. Manche sprechen sogar von einer Verzögerung von bis zu 20 Jahren für Neom. Die Kosten, die anfangs auf 500 Milliarden Dollar geschätzt wurden, könnten in die Höhe schnellen und bis zu 2 Billionen Dollar erreichen. Ein gewaltiger Sprung, der kaum zu erklären ist, ohne ins Schwitzen zu geraten. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Saudi-Arabien die meisten dieser Kosten selbst tragen will, wird das Bild noch düsterer.

Die Herausforderungen des PIF

Der PIF, der die finanzielle Basis der Vision 2030 darstellen sollte, hat seine liquiden Mittel auf nur noch 15 Milliarden Dollar reduziert – der niedrigste Stand seit 2020. Rückläufige Ölpreise und reduzierte Dividenden von Aramco setzen dem Fonds zu. Gleichzeitig sind die Aufträge im Bauwesen von 113 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf unter 30 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gefallen. Ein Rückgang um 73%! Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

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Trotz all dieser Rückschläge gibt es auch Lichtblicke. Einige Projekte, wie die Wiederbelebung von Diriyah oder die Freizeitpark-Initiative Qiddiya, könnten in einer weniger futuristischen, aber dennoch greifbaren Form weitergeführt werden. Und es gibt Fortschritte: Der Anteil der Frauen in der Erwerbsbevölkerung steigt, ebenso wie die Einnahmen aus nicht ölbezogenen Sektoren. Das wird zwar nicht alle Probleme lösen, zeigt aber, dass das Land nicht ganz aufgibt.

Der Weg nach vorn

Saudi-Arabien bleibt also an seiner Vision interessiert, auch wenn die Anzahl der milliardenschweren Projekte drastisch reduziert wird. Private Investoren werden weiterhin gesucht, und das Land versucht, neue Branchen zu erschließen, um die junge Bevölkerung von 34 Millionen Menschen zu beschäftigen. Der politische Druck, der durch soziale Öffnungen und die gleichzeitige Unterdrückung von Kritik, wie im Fall des Journalisten Jamal Khashoggi, entsteht, bleibt ein ständiger Begleiter.

In der Summe bleibt Saudi-Arabien ein faszinierendes Land im Umbruch. Die Herausforderungen sind gewaltig, aber der Wille zur Veränderung scheint stark zu sein. Man könnte sagen, der Traum von „Vision 2030“ ist noch nicht ganz gestorben – er hat nur einen etwas holprigen Weg vor sich.