Ein Diebstahl hat die Aufmerksamkeit auf eine Bronzestatue mit dem Namen „Bogenschützin“ gelenkt, die 2024 aus einem Garten in einem oberbayerischen Dorf entwendet wurde. Diese Statue stammt vom 1966 verstorbenen Bildhauer Mathias Schumacher und wurde 1937 gegossen. Ihre Enkelin, Stephanie, hat sich bisher nicht intensiv mit der Kunst ihres Großvaters beschäftigt, was das öffentliche Interesse an diesem Kunstwerk verdeutlicht. Der genaue Grund für den Diebstahl bleibt unklar, es gibt Spekulationen, ob dieser aufgrund des Materialwerts oder als Auftragsdiebstahl erfolgte. Die Statue hat eine tiefere Verbindung zur Großen Deutschen Kunstausstellung (GdK), die zwischen 1937 und 1944 vom nationalsozialistischen Regime initiiert wurde.
Die GdK war ein zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Kunstpolitik und wurde als das wichtigste kulturelle Ereignis im nationalsozialistischen Deutschland beworben. Bei ihrer Eröffnung am 18. Juli 1937 stellte Adolf Hitler sein Verständnis von deutscher Kunst vor und wies moderne Kunst als „entartet“ zurück. Die Ausstellung fand im „Haus der Deutschen Kunst“ in München statt, das für die GdK eigens errichtet wurde. In den folgenden Jahren wurde die Ausstellung regelmäßig wiederholt und zog ein großes Publikum an, mit rund 600.000 Besuchern, die insgesamt 12.550 Exponate zu sehen bekamen.
Markt für NS-Kunst im Aufwind
Der Markt für Kunstwerke der GdK boomt derzeit, obwohl Museen selten solche Werke ausstellen. Ein Sammler aus den Benelux-Staaten behauptet sogar, die größte private Sammlung deutscher Kunst aus der Zeit von 1933 bis 1945 zu besitzen. Christian Fuhrmeister, ein Kunsthistoriker, hebt die Wichtigkeit hervor, diese Kunst visuell präsent zu machen, und verweist auf die damit verbundenen Herausforderungen. Besonders bemerkenswert ist, dass Joseph Goebbels eine zweite „Bogenschützin“ für 14.000 Reichsmark erwarb und sie in seinem Anwesen am Bogensee ausstellte.
Die GdK umfasste im Erdgeschoss und Obergeschoss sowie im zweigeschossigen „Ehrensaal“ des Gebäudes Ausstellungsflächen, die es Künstlern ermöglichten, bis zu zehn Werke auszustellen. Die Veranstaltung war nicht nur eine Plattform für dieartigen Kunst, sondern auch ein lukrativer Marktplatz für die teilnehmenden Künstler, da Kunstwerke im Wert von 13 Millionen Reichsmark verkauft wurden. Hitler selbst erwarb Werke im Wert von 6,8 Millionen Reichsmark, was den hohen Wert und das Interesse an den gezeigten Exponaten unterstrich.
Wettbewerb und Auswahl der Exponate
Für die GdK wurde offizielle ein Wettbewerb zur Auswahl der Kunstwerke ausgeschrieben, der allen deutschen Künstlern offenstand. Insgesamt wurden 15.000 Arbeiten eingereicht, laut offizieller NS-Propaganda sogar 25.000. Die Auswahl der Werke erfolgte durch Adolf Ziegler und den berühmten Bildhauer Arno Breker, unter Beteiligung von Hitler und Joseph Goebbels. Aus der Vielzahl an eingereichten Werken kamen 900 in die engere Wahl, von denen letztendlich rund 600 ausgestellt wurden. Die Teilnahme an dieser Kunstschau war für die Karriere eines Künstlers im NS-Staat von entscheidender Bedeutung.
Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieben viele der ausgestellten Werke lange Zeit unzugänglich und wurden nicht mehr öffentlich gezeigt. Ein Umzug zur Eröffnung der ersten GdK umfasste 26 Wagen, 5000 Kostüme und 450 Reiter, die eine Bilderfolge von der germanischen Zeit bis zur Neuzeit darstellten und den pompösen Charakter des nationalsozialistischen Regimes unterstrichen. Heute können Interessierte einen Eindruck von dieser umstrittenen Kunst und ihrer historischen Dimension gewinnen, da seit Oktober 2011 Werke online zugänglich gemacht werden, um eine Diskussion über ihre gesellschaftliche und kunsthistorische Bedeutung zu fördern.
Der Fall der „Bogenschützin“ und die boomende Nachfrage nach NS-Kunst werden in der neuen Folge des True-Crime-Doku-Podcasts „Kunstverbrechen“ behandelt, die am 25. Oktober 2025 ausgestrahlt wird und weitere Einblicke in die komplexe Beziehung zwischen Kunst und nationalsozialistischer Ideologie bietet.