Heute ist der 28.06.2026. Die Schokoladenwelt ist in Aufruhr, und Lindt & Sprüngli steht dabei im Mittelpunkt. Die Schweizer Schokoladenikone kämpft mit einer schwachen Kundennachfrage und hat in den letzten Jahren Marktanteile verloren. 2026 wird entscheidend sein: Das Unternehmen muss beweisen, dass es Volumenwachstum und Margenentwicklung erfolgreich balancieren kann. Die Herausforderungen sind groß, schließlich verkaufte Lindt 2025 erstmals seit 2010 weniger Schokolade als im Vorjahr – trotz Preiserhöhungen von satten 50% seit 2021.

Die Preiserhöhungen wurden durch die Inflation und steigende Kakaopreise bedingt, die auf schlechte Ernten in Westafrika zurückzuführen sind. Um der schwachen Nachfrage entgegenzuwirken, senkte Lindt die Preise in Deutschland und der Schweiz um bis zu 20%. Der Krieg im Nahen Osten hat ebenfalls negative Auswirkungen auf das Geschäft, vor allem in touristischen Regionen, die traditionell für Lindt wichtig sind. Das Unternehmen senkte daraufhin das Zielband für organisches Wachstum von 6-8% auf 4-6%, was einen deutlichen Kursrückgang der Aktien zur Folge hatte.

Ein Blick auf die Zahlen

Doch es gibt auch Lichtblicke. Lindt hat kürzlich das Halbjahresergebnis 2025 veröffentlicht und mit einem organischen Umsatzwachstum von 11,2% auf CHF 2,35 Mrd. überrascht. Dies wird durch Preiserhöhungen zur Kompensation der hohen Kakaokosten unterstützt. Das operative Ergebnis (EBIT) lag bei CHF 259,2 Mio. und die EBIT-Marge betrug 11,0%. Diese Zahlen zeigen, dass trotz der Herausforderungen ein gewisses Wachstum realisiert werden kann. Der Ausblick für das Umsatzwachstum wurde von 7–9% auf 9–11% erhöht.

Im ersten Halbjahr 2024 betrug der Umsatz CHF 2,16 Mrd. mit einem Wachstum von 7%. Allerdings gab es einen Rückgang des Volumen-/Mix-Umsatzes um 4,6%, was auf eine geringe Preiselastizität, insbesondere in Europa, hindeutet. Der Fokus liegt auf der starken Entwicklung der Kernprodukte wie Lindor und Excellence, die weiterhin gefragt sind. Dennoch bleibt der Reingewinn im ersten Halbjahr 2025 mit CHF 188,9 Mio. hinter dem Wert von CHF 218,0 Mio. im Vorjahr zurück.

Auf der Suche nach neuen Märkten

Besonders bemerkenswert ist die geografische Expansion von Lindt in Märkte wie Saudi-Arabien, Chile und Indien. Die globale Einzelhandelsentwicklung verzeichnet ein Wachstum von 22,1% mit mittlerweile 590 Stores weltweit. Diese Expansion könnte das Unternehmen auf lange Sicht stabilisieren und neue Umsatzquellen erschließen. Und nicht zu vergessen: Lindt wurde zur wertvollsten Schokoladenmarke der Welt im Kantar BrandZ Ranking 2025 gekürt – ein Titel, der sicherlich auch einen Schub in der Markenwahrnehmung gibt.

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Dennoch gibt es auch Risiken. Die Rentabilität bleibt hoch, aber Analysten erwarten einen leichten Rückgang der Margen in den nächsten zwei Jahren. Die Rohstoffpreise sind für die kommenden zwölf Monate gesichert, was etwas Sicherheit bietet. Aber das Wetter, insbesondere das Phänomen El Niño, könnte die Kakaoproduktion gefährden. Ernst Tanner, der exekutive Verwaltungsratspräsident, steht zudem vor einer Herausforderung: In wenigen Wochen wird er 80 Jahre alt, was Fragen zur zukünftigen Unternehmensführung aufwirft.

Die Aktien von Lindt sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 für 2026 bewertet, was die Notwendigkeit eines organischen Wachstums von 7% und einer EBIT-Marge von 17% unterstreicht. Der globale Schokoladenmarkt soll um mehr als 5% jährlich wachsen, und im Premiumbereich sogar schneller. Fondsmanager setzen auf positive Effekte stabiler geopolitischer Bedingungen und sinkender Ölpreise, um die Kauflaune der Konsumenten zu fördern. Mit einem geschickten Mix aus Innovation und Expansion könnte Lindt möglicherweise wieder auf die Erfolgsspur zurückfinden.