Investieren in den Klimachaos: Die Macht der „Filthy Four“ und der Ruf nach Wandel
Die Welt der Investitionen ist ein spannendes, oft auch ein wenig verwirrendes Terrain. Besonders im Hinblick auf fossile Brennstoffe und deren Platz in den Portfolios großer Vermögensverwalter gibt es einiges zu beleuchten. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Vanguard, der weltgrößte Vermögensverwalter, hält unglaubliche 659,5 Milliarden US-Dollar in fossilen Brennstoffen. Das ist nicht nur eine Summe, die einem schwindelig werden kann, sondern auch ein Zeichen für die Prioritäten, die hier gesetzt werden. Die Strategie von Vanguard? Niedrige Kosten, hohe Renditen – und keine Vorgaben für Unternehmen. Umwelt- und Sozialfragen? „Das sollen die gewählten Regierungen regeln“, so das Credo. Kaum zu fassen, oder?
Die Analyse „Investing in Climate Chaos“ von 25 zivilgesellschaftlichen Organisationen stellt klar, dass Vanguard nicht alleine dasteht. Der Konzern ist als größter institutioneller Investor in fossilen Industrien identifiziert worden, gefolgt von BlackRock mit 553,3 Milliarden US-Dollar. Beide Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr von der Net Zero Asset Managers Initiative verabschiedet, die sich für Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2050 einsetzte. Ein Schritt zurück, könnte man sagen. Und das, während Donald Trump, der möglicherweise ab Januar 2025 wieder als US-Präsident agiert, die fossilen Brennstoffe erneut in den Fokus rückt und dabei 14 Milliarden US-Dollar für erneuerbare Projekte gestrichen hat. Irgendwie befremdlich, wenn man bedenkt, wie dringend wir einen Wechsel hin zu nachhaltigen Energien brauchen.
Die „Filthy Four“ und ihre Macht
Die Studie von Urgewald und 17 NGO-Partnern nennt die größten fossilen Verschmutzer unter den Vermögensverwaltern die „Filthy Four“: Vanguard, BlackRock, State Street und Capital Group. Zusammen halten sie 1,1 Billionen US-Dollar in Kohle, Öl und Gas. Das lässt einem das Essen im Magen zusammenziehen, wenn man bedenkt, dass diese Investitionen in direktem Widerspruch zu den globalen Klimazielen stehen. Vanguard und BlackRock, die beiden Schwergewichte, lehnen es ab, Richtlinien zur Einschränkung ihrer Investitionen zu akzeptieren. Der Druck auf diese Unternehmen wird also nicht weniger, während die Herausforderungen im Bereich Klimafinanzierung immer größer werden.
Weltweit haben institutionelle Investoren rund 6,5 Billionen US-Dollar in fossile Unternehmen investiert. Die USA sind mit 2,8 Billionen US-Dollar der größte Investor – gefolgt von Kanada und Japan. Deutschland kommt immerhin auf 70 Milliarden US-Dollar, was Platz zehn in der weltweiten Rangliste einnimmt. Es ist schon erstaunlich, wie viel Geld in diese alten, fossilen Strukturen fließt, während gleichzeitig der Ruf nach einem Umdenken immer lauter wird. Und das, obwohl 96 % der Öl- und Gasproduzenten nach wie vor in neue Reserven investieren. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.
Ein Blick auf nachhaltige Investments
<pDoch es gibt auch Lichtblicke. In Deutschland hat sich das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds von 2014 bis 2024 verzehnfacht und erreicht mittlerweile rund 550 Milliarden Euro. Der Marktanteil nachhaltiger Fonds beträgt immerhin 12,4 %. Auch wenn das noch nicht die Welt rettet, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Hinzu kommen 118 Milliarden Euro nachhaltig verwaltete Eigenanlagen und von Spezialbanken verwaltete Kundeneinlagen. Hier zeigt sich ein wachsendes Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen, die ökologische, soziale und governance-bezogene Aspekte berücksichtigen.
Die Herausforderungen bleiben jedoch groß. Die Studie fordert eine Umverteilung von Investitionen in erneuerbare Energien und nachhaltige Technologien. 2024 soll dabei ein Wendepunkt für die Klimafinanzierung werden. Ob das klappt? Die kommenden Monate werden es zeigen.
